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Pädagogisch-therapeutische Einzelförderung

Kinder mit Lernschwierigkeiten erhalten eine gezielte und individuelle professionelle Förderung. Es werden Lese-, Rechtschreib- und Rechenförderung sowie Heileurythmie, Maltherapie und Bewegungsförderung in Kleingruppen und als Einzelförderung angeboten.


Pädagogisch-therapeutischer Arbeitskreis

Im pädagogisch-therapeutischen Arbeitskreis treffen sich regelmäßig Schularzt, pädagogische Mitarbeiter und Therapeuten und erörtern spezielle pädagogische Themen sowie Fragen des Förderunterrichts und der pädagogisch-therapeutischen Einzelförderung.


Rechenförderung

Für Kinder, die Schwierigkeiten mit dem Rechnen haben, bietet die Schule gezielte Übungsstunden an.

Konzentrationskraft und Gedächtnis für Zahlen tragen wesentlich zur Fähigkeit des Rechnens bei. Das Gedächtnis wird angeregt durch Bewegung – wir üben die 1x1 Reihen mit Geschicklichkeitsübungen (z.B. mit Ball, Balancieren, Hüpfspielen und Springseil). Schätzübungen, die durch Abschreiten oder Abzählen überprüft werden, sollen den Zahlenbegriff festigen. Tätiger Umgang mit Zahlen (z.B. Messen, Wiegen, Ordnen, Einkaufen usw.) hilft dem Kind, sich aktiver mit einem Rechenvorgang zu verbinden.

Dieser Förderunterricht (1-2 Stunden pro Woche) wird von Klassenlehrern oder Eltern hauptsächlich ab der 2. Klasse angeregt, eine finanzielle Eigenbeteiligung ist freiwillig.


Lese-Rechtschreibförderung

Die Einführung des Schreibens und des Lesens von großen und kleinen Druckbuchstaben und der Schreibschrift erstreckt sich in der Waldorfschule über die ersten drei Schuljahre, mit vielen vorbereitenden und begleitenden Übungen (große Raumformen, Formenzeichnen, Bilder, Kneten), ist also sehr langsam und gründlich.

Dennoch gibt es auch bei uns Kinder, die mit der festgelegten Raumorientierung und Bedeutung der Buchstaben dann doch noch Probleme haben und besonders gefördert werden müssen. Die Kinder werden durch den Klassenlehrer und den Förderlehrer in Absprache mit den Eltern ausgewählt. Ein Test mit der ganzen Klasse gibt ergänzend Hinweise auf einen Förderbedarf, kann aber nicht eine Legasthenie feststellen!

Die Lese-Recht-Schreibförderung geschieht in einer (kleinen) Gruppe ab der dritten Klasse in einer Unterrichtsstunde oder an den Unterricht angehängt.

Es werden die Grundelemente von Sprache und Schrift geübt: Bewegung (Groß- und Feinmotorik), Rhythmus, Gliederung (Satz, Wort, Silbe), Klang (Laut, Reim), Gleichgewicht und Körper- und Raumorientierung. Bewegungs- und Sprechübungen, z.B. Zungenbrecher, gehen den schriftlichen oder Leseübungen voran. Das genaue Hören (und Sprechen) ist dabei besonders wichtig (30% der «Rechtschreibfehler» sind auditive Fehler!). Neben Sprachspielen oder dem künstlerischen Umgang mit der Sprache (die Kinder machen z.B. einfache Reime oder Gedichte) werden auch Diktate geübt und die Gesetzmäßigkeiten der Rechtschreibung erarbeitet (soweit sie «stimmig» ist!). Auch das kann sogar Spaß machen, wenn man allmählich die Fortschritte wahrnehmen kann. Wichtig sind hier natürlich erst einmal nicht die Fehler, sondern das, was man schon richtig schafft.

Die Dauer der Förderung wird in Absprache mit dem Klassenlehrer festgelegt. 

Ansprechpartner: Herr Schmalhofer


Heileurytmie

Heileurythmie zählt zu den Therapieangeboten an unserer Schule. Sie ist eine Bewegungstherapie, wurde aus der Eurythmie entwickelt und arbeitet mit den Kräften der Sprache. Objektiv erlebbar sind für uns die Wirkungen der Vokale, die mehr das Gefühlsmäßige im Menschen ansprechen und offenbaren und die plastischen Kräfte der Konsonanten. Die gleichen Kräfte wirken auch im und am Menschen. Mit der Heileurythmie können wir Prozesse, die aus dem Gleichgewicht gefallen sind, wieder harmonisieren oder die Gesundung anregen, denn jede Lautgebärde hat ihren bestimmten Wirkungsbereich im Physischen.

Aufgabe der Heileurythmie an einer Waldorfschule ist es, Ungeschicklichkeiten auszugleichen, Krankheitstendenzen zu erkennen und zu behandeln und somit einen Ausbruch der Krankheiten zu verhindern.

Dies bezieht sich vor allen Dingen auf Konstitutions-fragen. Chronische Erkrankungen werden nur in Ausnahmefällen im schulischen Rahmen behandelt.

 

Wer bestimmt, welches Kind heileurythmisch behandelt wird?

Der Klassenlehrer, dem durch den täglichen Umgang mit den Kindern Einseitigkeiten sicher am ehesten auffallen, wendet sich an die Therapeuten. Diese kennen das Kind entweder schon oder werden es durch Hospitationen kennenlernen. Wenn Therapieplätze frei sind, wird Kontakt zu den Eltern aufgenommen und ihnen das Wahrgenommene mitgeteilt. Dann wird das Kind dem Schularzt vorgestellt (Heileurythmisten müssen immer mit einem Arzt zusammenarbeiten).

Nun beginnt die Therapie : sie wurde nach der Diagnose des Arztes vom Heileurythmisten individuell für das jeweilige Kind ausgearbeitet.

Das Kind wird 3 x pro Woche für eine Viertelstunde, während des Unterrichts, im Raum der Heileurythmie behandelt.

Der Schularzt und die Heileurythmistin tauschen sich wöchentlich über den Verlauf der Behandlung aus. Ein Behandlungszyklus ist frühestens nach 7 Wochen abgeschlossen. Meistens sind aber 2 Zyklen nötig, um einen spürbaren Erfolg zu erzielen. Am Ende werden die Eltern eingeladen, sich die letzte Behandlung ihres Kindes anzusehen. Danach sprechen Eltern und Therapeut über das Gesehene und den Behandlungsverlauf. Sofern die Krankenkasse nicht die Behandlungskosten übernimmt, haben die Eltern einen Eigenanteil von z. Zt. 6,- Euro pro 3 Terminen (das entspricht einer Behandlungszeit von einer Woche) zu zahlen. Der genaue Betrag wird Ihnen nach Abschluss der Behandlung per Rechnung mitgeteilt.

Ansprechpartner: Frau Schrader


Bewegungsförderung

In den ersten Schuljahren fußt der Unterricht an der Waldorfschule stark auf Rhythmus und Bewegung, nicht nur in den musischen und Bewegungsfächern selbst, sondern auch in den «Lernfächern»: Sprachen, Rechnen, Lesen usw. Ein gesunder Leibaufbau und eine rhythmische, differenzierte Grob- und Feinmotorik bilden die Grundlage für das Lernen. Auch das Stricken weckt Lernkräfte! Allgemeiner Bewegungsmangel aus den allseits bekannten Gründen (Zeitmangel, Technik, Wohnsituation, mangelnde (gute) Anregungen und Vorbilder) beeinträchtigt diese Grundlage z.T. erheblich. Die basalen Sinne (Motorik und Gleichgewichtssinn vor allem), das rhythmische Empfinden und die Orientierung im Körper (Körperschema) und im Raum brauchen zu ihrer Nachreifung deshalb oft zusätzliche Förderung. Dafür wurde an unserer Schule diese Fördermöglichkeit eingerichtet.

Gefördert wird:

  • der Bewegungsbereich selbst: Geschicklichkeit (Seilhüpfen und Ballwerfen z.B.) in Grob- und Feinmotorik, Koordination, rhythmische Bewegungsabläufe, Körper- und Raumorientierung und Gleichgewicht,
  • die allgemeine Lerngrundlage: «Spannkraft», Konzentration, Aufmerksamkeit, Wachheit und das «Begreifen».

Es können aber auch die besonderen Lernbereiche Rechnen, Schreiben und Lesen durch Bewegungsförderung gestützt werden. Angeregt wird diese individuelle Maßnahme durch die Eltern, den Klassenlehrer (die Klassenkonferenz) oder durch den pädagogisch-therapeutischen Arbeitskreis, bestehend aus den Therapeuten, dem Förderlehrer und dem Schularzt. Die Förderung erfolgt in der Regel über ein Quartal 2-3 Mal/Woche à 20 Minuten in der Unterrichtszeit. Für die Bewegungsförderung wurde vom Vorstand als Eigenbeteiligung ein Mindestsatz von Euro 6.- für eine Einheit (3x20 Minuten) festgesetzt.

Ansprechpartner: Herr Schmalhofer


Künstlerische Therapie (Malen und Zeichnen)

Die anthroposophisch orientierte künstlerische Therapie (Malen und Zeichnen) existiert an der Würzburger Waldorfschule seit 1982; seit zehn Jahren ist sie Bestandteil des Förderangebots unserer Schule.

Sie setzt da an, wo sich der «obere» Bereich des Menschen mit dem «unteren» verbindet, im Bereich des Rhythmischen Systems, des Herzens, der Atmung. In der Mal- und Zeichen-Therapie wird mit dem gezielten Einsatz von künstlerischen Techniken, damit verbundenen Materialien und auch Themen zunächst über das sinnliche, dann besonders auch das seelische Erleben der Farben und Formen wieder zurückgewirkt auf den zu kräftigenden Lebensorganismus, ja bis in das Gefüge des Körpers. Dabei sind nicht möglichst ansprechende Gestaltungsergebnisse das Ziel, sondern die Tätigkeit des Malens und Zeichnens selber. Eine ruhige, rhythmische Pinselführung, verbunden mit einem Motiv und einer Farbigkeit, die «atmen» lässt, vermag zum Beispiel einem asthmatisch veranlagten Kind langfristig zu helfen.

Es gibt innerhalb der kunsttherapeutischen Verfahren nun verschiedene Möglichkeiten, Krankheitstendenzen zu begegnen, ihnen vorzubeugen oder auch allgemein die Harmonisierung der Lebensprozesse anzuregen. 

Das Aquarellmalen (alle Klassenstufen)
vermag besonders durch den Umgang mit der in Wasser vermalten Farbe zu lösen und zu vertieftem seelischen Erleben zu führen. 

Das Pastellmalen (Mittelstufe, Oberstufe)
wirkt durch seine feinen Differenzierungsmöglichkeiten beruhigend, wärmend und belebend. 

Im Formenzeichnen (alle Klassenstufen)
wird durch die bewusst gestaltete Linie, auch durch einen rhythmischen Bewegungsablauf beim Zeichnen ordnend und haltgebend auf die Koordinationsfähigkeit und die Konzentration gewirkt. 

Das Dynamische Zeichnen (alle Klassenstufen)
fördert die äußere und innere Beweglichkeit. 

Das Sachzeichnen (Mittel- und Oberstufe) schult die genaue, liebevolle Beobachtung. 

Beim Fußmalen schließlich lernt der Mensch, ein «Bewusstsein bis in die Füße» zu entwickeln, seinen Körper ganz zu ergreifen.

All die genannten (und auch noch weitere, hier nicht beschriebene Möglichkeiten) werden nun individuell zur Unterstützung des Kindes bzw. des Jugendlichen angewandt, wozu neben der Beobachtung des Maltherapeuten besonders die Eltern, der Schularzt, der Klassenlehrer und die Kollegen des Therapeutenkreises entscheidende Hinweise geben.
Die künstlerische Therapie wird in Kleingruppen, in speziellen Fällen in Einzeltherapiestunden durchgeführt. Über die Vergabe von Maltherapie-Plätzen entscheiden in erster Linie die Eltern oder der Klassenlehrer, denen durch den täglichen Kontakt mit den Kindern/Jugendlichen besondere Einseitigkeiten am deutlichsten auffallen.
Die Genannten wenden sich dann an den Schularzt oder die Therapeuten. Wenn Therapieplätze frei sind, wird in der Regel nach einer Vorstellung des Schülers beim Schularzt im gemeinsamen Gespräch der Beteiligten über die Teilnahme an der Maltherapie entschieden und vom Kunsttherapeuten ein individuelles Konzept entwickelt.
Ein «Malzyklus» geht über ein halbes Jahr (ca. 12-15 Termine), wobei einmal in der Woche an einem Schulvormittag für die Dauer einer Fachstunde gearbeitet wird. Es wird versucht, das Malen in eine Frei- oder Hortstunde zu legen, was jedoch nicht immer möglich ist. Die Schüler werden in diesem Fall  in Absprache mit Klassen- und Fachlehrer von dem anderen Unterricht befreit. Sofern, bei medizinisch begründeten Fällen, die jeweilige Krankenkasse nicht die Behandlungskosten übernimmt, werden die Eltern gebeten, einen Eigenanteil von zur Zeit 6,- Euro (inklusive Material) pro Termin zu zahlen. Der genaue Betrag wird ihnen nach Abschluss des Malzyklus per Rechnung von der Schule mitgeteilt.

Ansprechpartner: Frau Meinrenken-Rohrbach, Kunsttherapeutin