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Malen und Zeichnen (Klassen 9-12)

Dem Kunstunterricht in der Oberstufe kommt eine besondere Bedeutung zu. Die Jugendlichen lernen eine Vielzahl neuer Techniken kennen und können in zwei großen Ateliers in kleineren Gruppen (meist ein Drittel der Klasse) ihre gestalterischen und schöpferischen Fähigkeiten in individueller Weise erüben und entfalten.

9. Klasse: Schwarz-Weiß-Zeichnen (Epochenumfang: 36 Stunden)
Die 9. Klasse verzichtet entsprechend der Entwicklungsphase der Jugendlichen, d.h. den mitunter dramatischen Umbrüchen der Pubertät, ganz auf die Farbe. Mit schwarzen Kreiden sowie mit weiteren geeigneten Materialien wird in einer besonderen Strichführung, der Schraffur, gearbeitet. So bilden sich durch viele einzeln gesetzte Striche nach und nach Übergänge und lebendig wirkende Hell-Dunkel-Flächen, aus denen schließlich die Gestaltungen (Architektur, Landschaften u.a.) entstehen.

10. Klasse: Druckgraphik (Epochenumfang: 36 Stunden)
Der Mehrfarbendruck (Hochdruck mit zwei bis vier Platten) verlangt eine besondere Disziplin, genaue Vorstellungskraft und ein vielschichtiges Denken. Nach dem Erstellen eines Entwurfs werden zwei bis vier (Linol)Platten geschnitzt, die mit  verschiedenfarbiger Druckfarbe seitenverkehrt (!) übereinander gedruckt besondere Farbmischungen und die geplante Gestaltung ergeben. Neben den kreativen Fähigkeiten wird hierbei in besonderer Weise das exakte Denken geübt.Seit vielen Jahren werden mit den Drucken der Schüler Jahreskalender für den Basar zusammengestellt, die inzwischen viele Sammler gefunden haben.

11. Klasse: Malen (Epochenumfang: 36 Stunden)
Die Schüler erfahren in dieser Jahrgangsstufe vielfach eine seelische Verinnerlichung; ihre empfindsame Suche nach Lebensorientierung findet auch in der künstlerischen Gestaltung einen Ausdruck. Deshalb steht in dieser Klasse der künstlerische Umgang mit der Farbe im Mittelpunkt. Die Malepoche lehnt sich thematisch an die Kunstbetrachtungsepoche (Impressionismus und Expressionismus) an. Durch die Gegenüberstellung von zwei eigenen in polarer Auffassung gestalteten Arbeiten soll dem Schüler die Möglichkeit gegeben werden, die jeweilige Sicht- und Gestaltungsweise der Künstler der klassischen Moderne besser zu verstehen. Auch werden je nach Klasse und Eignung einzelner Schüler neue Techniken erarbeitet. Neben der Aquarelltechnik wird auch in die Öl- und Acrylmalerei sowie das Malen mit Eitempera eingeführt, um die gewählten Motive ausführen zu können.

12. Klasse: Malen (Epochenumfang: 36 Stunden)
Individuelles Selbstbewusstsein mit sozialem Verantwortungsgefühl sind bestimmende Motive für den jungen Erwachsenen dieser Jahrgangsstufe.Deshalb stehen im Mittelpunkt dieser Klasse der Mensch und seine Gestaltung. Nach Ganzkörperskizzen, Profil- und En-face-Zeichnungen nach dem lebenden Modell (Mitschüler) entwickeln die Schüler eigene Motive und führen diese in den bisher erübten oder neu erworbenen Techniken aus. Im Rahmen des 12-Klass-Abschlusses werden die Arbeiten ausgestellt.

Offene Atelierwerkstatt
Außerhalb  der Unterrichtsstunden findet eine rege, vielfältige Atelierarbeit statt. Jedes Jahr gibt es Schüler und Schülerinnen, die eine künstlerische Jahresarbeit anfertigen und deshalb nachmittags – wie auch an Wochenenden – im schulischen Malsaal arbeiten. Es ist auch Ehemaligen der Weg ins schulische „Atelier“ offen, um dort zu malen. Sie wirken durch ihre Eigenständigkeit und ihrer Freiwilligkeit als anregendes Vorbild für die jüngeren Teilnehmer.


Darstellende Geometrie (Klasse 10)

In diesem Kurs werden vorrangig dreidimensionale Raumkörper zweidimensional gezeichnet. Es wird ebenso geübt, Zeichnungen räumlich vorzustellen. Daneben werden – je nach Bedarf – auch Aufgaben aus der ebenen Geometrie bearbeitet. Um das Raumvorstellen zu unterstützen, werden Flächen, Strecken und Raumkörper oft in ein Schrägbild des Würfels eingebettet, bevor die verschiedenen Projektionen geübt werden.

Die Darstellende Geometrie wird in der 10. Klasse im Rahmen der künstlerisch-praktischen Kurse in Klassendritteln unterrichtet, es stehen 5 bis 6 Wochen lang je 3 Doppelstunden zur Verfügung. Die Platonischen Körper, die oft schon aus der 8. Klasse bekannt sind, laden dazu ein, die Verwandlung von der einen Form in eine andere (z.B. Würfel in Oktaeder) vorzunehmen und die einzelnen Stadien dieser Metamorphose zu zeichnen. Auch Ellipsen, Parabeln und Hyperbeln, die schon in der 9. Klasse als geometrische Formen bekannt waren, können in dieser Zeit als Kegelschnitte vertiefend konstruiert und erfasst werden.


Gartenbauunterricht (Klasse 9)

Allgemeine Gegebenheiten
Unser Schulgarten ist ca. 6000 m2 groß, mit den Außenanlagen zusammen ca.12000 m2. 2 Gewächshäuser stehen auf unserem Grundstück, ein kleiner Teich für Wasserpflanzen ist angelegt.

Zum Unterricht
Der Unterricht wird halbjährlich gegeben, d,h gedrittelt zu 3 Doppelstunden die Woche, ca. 5 Wochen im Kurssystem.

Zum Inhalt
Die Klasse 9 wird auf die landwirtschaftlichen Arbeitswochen vorbereitet, sowie in die Tätigkeiten der Natur- und Landschaftspflege eingeführt. Hier arbeiten die Schüler entweder in der Heckenlandschaft (Schule) oder auf einer Streuobstwiese außerhalb des Schulgeländes. Des Weiteren werden sie in den fachgerechten Gehölzschnitt eingearbeitet (Obst/Ziergehölz) und zu Renaturierungsarbeiten im Schulgelände herangezogen. Zusätzlich wird im theoretischen Teil noch auf die Problematik des Natur-und Landschaftsschutzes eingegangen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen Zugang zur lebendigen Natur erhalten. Sie werden in die verschiedenen Arbeitstechniken eingearbeitet, um später verantwortungsbewusst Pflegemaßnahmen durchzuführen, die der Natur, Pflanzen und Tieren entgegenkommen. Diese Arbeitstechniken sind u.a.: Beobachtungen an Pflanzen, Wetter, Tieren, Bodenbeschaffenheiten etc. Durchführen (Aufschreiben, Dokumentieren, Erkenntnisse daraus gewinnen), Aussaaten, ob im Freiland oder unter Glas, sämtliche Pflegetechniken, wie Hacken, Jäten, Gießen, Schneiden und Sägen sowie Veredeln. Die Planung über die Gestaltung eines Nutz- oder Ziergartens gehört ebenfalls zu dem Lernstoff in dieser Zeit. Über allem steht die Lehre der Ökologie. Der Mensch im Einklang mit den Elementen Wasser, Erde, Luft/Licht und Feuer.
Baumkunde, Gemüsebau, Obstbau und Staudenkunde sowie biologischer Pflanzenschutz, die Ernährung und Kompostwirtschaft, Werkstoff- und Gerätekunde und die Lehre von der Landwirtschaft gehören genauso in den Unterricht wie das soziale Miteinander im Klassenverband, in Kleingruppen, sowie die persönliche Auseinandersetzung mit dem Wesen der Natur da draußen und dem Wesen in mir. Deshalb ist der Gartenbauunterricht auch in der Pubertätsphase pädagogisch besonders wertvoll.
Ein Teil des Gemüse- Kräuter- und Obstbauanbaues wird von unserer Gemeinschaftsküche verwendet. Auch Blumen für die Tischdekoration kommen aus dem Schulgarten. In der Adventszeit lernen die Schüler das Kranzbinden.


Schneidern (Klasse 9) Epochenumfang: 36 Stunden

Die Schüler und Schülerinnen haben im Laufe der Klassenlehrerzeit verschiedenste Handarbeitstechniken erlernt und die Kostüme für ihr Klassenspiel unter Anleitung an der elektrischen Nähmaschine genäht. In der 9. Klasse nun fertigen sie nach eigenen Vorstellungen entweder mit einem fertigen Schnitt oder nach einem passenden Kleidungsstück mit frei gewählten Stoffen und Farben Bekleidungsstücke. Hierbei kommt es darauf an, Arbeitsanweisungen gedanklich zu durchschauen und selbstständig auszuführen.
Anders als in den vorangegangenen Jahren tritt die Korrektur durch den Lehrer zunächst zurück und das Werkstück (die Sache an sich) wirkt als „Autorität“. Dadurch werden Fehler selbstständig erkannt. Dabei steht der ganze Prozess in folgendem Spannungsfeld: Einerseits ist technisch einwandfrei und materialgerecht zu arbeiten, andererseits möchte der Schüler oft einen individuellen Kleidungsstil verwirklichen. Der Arbeitsprozess vom Stück Stoff zum fertigen Objekt ist somit ein Stück Lebenskunde.


Kupfertreiben (Klasse 9)

Im Rahmen der künstlerisch-praktischen Kurse der 9. Klasse ist das Kupfertreiben mit einer Epoche mit ca. 30 Stunden eingebunden.
Beim Treiben eines Bechers aus einem 1mm starken Blech lernen die Schüler die notwendigen Arbeitstechniken kennen, um einen Becher herzustellen. Neben dem Erüben des Treibens und Planierens ist die Form des Bechers eine Herausforderung an die Geschicklichkeit und Arbeitsdisziplin des Schülers. Durch die Technik des Aufziehens über einem Bechereisen schafft der Schüler einen Innenraum der dann durch das Planieren mit dem Kugelhammer von außen mit viel Geduld eine schöne Oberfläche bekommt. Der Schüler muss auf die dem Material innewohnenden Eigenschaften eingehen, um erfolgreich sein Werkstück herstellen zu können. Es findet ein Dialog statt, wobei die Korrektur über den Arbeitsprozess am Werkstück erfolgt.


Schmieden (Gruppe Praktischer Zug 9-10)

Das Handerk des Schmiedens ist seit Generationen mit dem Werden der Menschheit verbunden. Um es ausüben zu können braucht es Bedingungen die sich über Jarhunderte kaum verändert haben. Feurstelle, Amboss, Hammer, die Werkstatt des Schmieds schaffen eine Atmosphäre die eine eigene Faszination auf die Schüler ausübt. Die Handhabung der notwendigen Werkzeuge und Arbeitsgeräte erfordert eine besondere Arbeitsdisziplin und Konzentration. Um damit umgehen zu können muss ich mich darauf einlassen. Das Feuer muss geführt werden, das Eisen will bearbeitet werden, solange es warm ist. Wenn es auf dem Amboss liegt und mit dem Hammer bearbeitet wird, sind es gleich zwei Arbeitsflächen, die ich im Blick haben muss. Der Schmied wird von den Arbeitsabläufen geführt, die sein Werkstück fordert. Denken und Tun müssen im Einklang sein, soll das Werkstück gelingen.

Anhand von zunächst einfachen Gegenständen, wie Kerzenständer, Feuerhaken, lernt der Schüler zunehmend komplexere Arbeitsabläufe kennen. Je nach Fähigkeit kommt dann das Arbeiten nach eigenen Entwürfen dazu. Auch das Schmieden von Damaszenerstahl und die Herstellung von Messern wird geübt. Nicht zuletzt ist die Pflege und der Unterhalt der Werkstatt eine notwendige Herausforderung für den Schüler, der er sich immer wieder neu stellen muss.


Plastizieren (Klasse 9-12)

Eine lebendige und phantasievolle Auseinandersetzung mit Raum und Umraum regt das Plastizieren an und weckt damit in urbildhafter Form den künstlerischen Gestaltungswillen. Das Plastizieren mit Ton bietet die Möglichkeit, Formen im Raum entstehen zu lassen. In jeder Oberstufenklasse können ungegenständliche wie auch naturalistische Themenstellungen aufgegriffen werden. Einzelthemen wie auch Gruppenaufgaben werden den Fähigkeiten und dem Entwicklungsstand der einzelnen Klassenstufen angepasst.

In der 9. Klasse werden oft elementare Formerfahrungen erübt, genauso kann die Gestaltung eines Tieres zu einem Erlebnis werden.

Bewegte Formen im Relief oder der Mensch in Bewegung können sich in der 10. Klasse als Themen anschließen, dies kann in der 11. Klasse bis hin zum seelischen Ausdruck in Figurengruppen weitergeführt werden.

Eine besondere Herausforderung stellt die Gestaltung eines menschlichen Kopfes in der 12. Klasse dar, hierbei schafft die Auseinandersetzung mit einem Portrait ein Bewusstsein für die Individualität eines jeden Menschen.

Alle Themen  sollten jedoch einen künstlerischen Freiraum eröffnen, verbunden mit dem Erlebnis: Ich kann mit der Kunst die Welt ein Stück weit selber gestalten und ihr einen individuellen Ausdruck verleihen, ihr eine Idee einprägen.
Hinweis: Töpfern gehört nicht zum Bereich Plastizieren, Töpfern ist Bestandteil des Praktischen Zuges.


Töpfern (Gruppe Praktischer Zug 9-10)

Im Gefäß ist im gewissen Sinne das Bild des Menschen verborgen, was bereits in den sprachlichen Bezeichnungen (Fuß, Schulter, Hals usw. z.B eines Kruges) angedeutet ist. Damit ein getöpfertes Gefäß entstehen kann, müssen alle vier Elemente zusammenwirken: aus der Erde stammt der Grundstoff, der Ton. Nur in Verbindung mit Wasser wird er formbar. Die geregelte Zuführung der Luft spielt bei der Trocknung eine Rolle und das Feuer verwandelt im Brennofen den Ton in harte Keramik.Bei der Formgebung wird besonders der Tastsinn geschult, Konzentration und Geduld sowie höchste Wachsamkeit beim Formen der Wände sind nötig.  Auch ist es wichtig, dass bestimmte Flüssigkeiten und Inhalte bestimmte Formen benötigen, die sachgerecht zu entwickeln sind.

Die Schüler lernen zuerst sich zu konzentrieren
– sie zentrieren den Ton.

Sie lernen sich einem höheren Inhalt zu öffnen
– der Ton wird «aufgebrochen».

Sie schaffen die Grundlage für den Inhalt
– den Boden setzen.

Sie bilden das Gefäß für den Inhalt
– die Wand hochziehen und formen.


Schreinern (Klasse 9-10, zusätzlich Gruppe Praktischer Zug, Klasse 11)

Das Unterrichtsfach Schreinern wird in der 9. und 10. Klasse als 6-wöchiger  Epochenunterricht, in der 11. Klasse als ½-jähriger Unterricht im Praktischen Zug erteilt.  12 Teilnehmer in jedem Kurs ermöglichen eine besonders intensive Betreuung jedes einzelnen Schülers in speziell hierfür konzipierten Werkstatträumen.

Der grundlegende Kerngedanke dieser handwerklichen Disziplin gilt der Freilegung der praktischen Intelligenz an einer klar umgrenzten Aufgabenstellung. In direktem Kontakt mit einer arbeitstechnischen Herausforderung gelangt der Schüler an eine Schlüsselstelle, an der er die Kraft eigener Impulse entdeckt und zuletzt selbstbewusst der „Regisseur“ seiner Werkstücke wird.  In diesem Alter ist solch ein bodenständiges Training von Körperkraft, Fingerfertigkeit und logischem Sachverstand ein guter persönlicher Halt.

In der Schreinerepoche des 9. Schuljahres üben die Schüler zunächst das exakte Hobeln von Brettern. Dabei können sie jeden Arbeitsschritt mit Hilfe von Fluchtholz und Winkel selbst überprüfen. Bei der Herstellung von Kästen und verschiedenen Kleinmöbeln führen die Schüler anschließend vorwiegend traditionelle Holzverbindungen aus. Mit der Tatsache, dass Holz «arbeitet», lernen sie umzugehen. Arbeiten können z.B. Hocker oder kleine Tische sein.

Die 10. Klasse verbindet handwerkliches Gespür mit theoretischen Kenntnissen aus Mathematik und Physik durch arbeitsvorbereitende Planung und ein höheres Niveau an Maßgenauigkeit.

Das Ziel der 11. Klasse ist im Praktischen Zug eine höchstmögliche Selbstständigkeit anhand einer großen Aufgabe zu gewinnen, die von Anfang bis Ende durchdacht, geplant, organisiert und umgesetzt werden muss, im Sinne einer verantwortungsvollen Auftragsarbeit. Die erlangten Fähigkeiten sind sowohl auf andere praktische Projektarbeiten zum Teil übertragbar, können aber auch als sinnvolle Vorbereitung für eine fachbezogene Berufswahl genutzt werden. Beispielweise werden Werkstücke mit komplizierten Holzverbindungen gefertigt. Im Gegensatz zu anderen Materialien verlangt der Werkstoff Holz ein besonderes Einfühlungsvermögen des Schülers in die je unterschiedliche Qualität jeder Holzart bzw. des Baumes.


Kartonage und Buchbinden (Kl. 10-11, zusätzlich Gruppe Praktischer Zug Kl. 12)

Buchbinden und Kartonage  finden bei  uns an der Schule in Klasse 10 und 11 für die gesamte Klasse statt. In der 12. Klasse hat der Praktische Zug Buchbinden und in der MR-Klasse hat die Papiertheorie ihren Platz mit dem Ziel der theoretischen Werkprüfung in Papier. 10. und 11. Klasse haben in Dritteln aufgeteilt sechs Wochen Kurs à sechs Stunden die Woche. Die Gruppen der 12. und 13. Klasse haben ein halbes Jahr zwei Stunden pro Woche.
Die Schüler steigen in ein für sie neues Handwerk ein, bei dem jeder Arbeitsschritt auf dem vorhergehenden aufbaut und auf eine gute Vorbereitung angewiesen ist. So erleben sie Korrekturen durch das Handwerk. Sie lernen, dass jede Tat eine Folge hat, das schult die eigene Wahrnehmung und das eigene Denken und anschließend auch das eigene Handeln, denn mit ungenauen Werkstücken sind kritische Schüler nicht zufrieden. Begriffe bilden und sachgemäß urteilen zu können, sind altersgemäß an der Reihe und dies wird durch eine Betätigung mit dem Handwerk mitentwickelt und gefördert. Es öffnet den Blick über die eigenen Belange hinaus.

Die Schüler der 10. Klasse
lernen verschiedene Materialien, Werkzeuge und Arbeitstechniken des Buchbinders kennen. Die Grundbegriffe werden erklärt und durch kontinuierliche Übung gefestigt, so dass eine gewisse Selbständigkeit erreicht werden kann. Diese Fähigkeiten werden an verschiedenen Werkstücken erlernt und geübt, seien es Mappen, Ordner, Kästen aller Art, Leporellos und CD-Mappen. Die Schüler der 10. Klasse erhalten ergänzend einen Einblick in die Herstellung des Papiers durch den Besuch in einer historischen Papiermühle. Dort werden sie an die ursprünglichen Produktionsprozesse herangeführt, um zu zeigen, welche Entwicklungsschritte das Papier und die nötigen Maschinen genommen haben. Die Auswirkungen der verschiedenen Art der Papierherstellung auf die Umwelt, vor allem auf den Wald und das Wasser werden so anschaulich.

In der 11. Klasse
wird das bereits vorhandene Buchbindewissen vertieft und es werden verschiedene Herstellungsarten von Büchern erlernt. Der Schwierigkeitsgrad bei den einzelnen Arbeitsschritten wird anspruchsvoller und erfordert mehr handwerkliches Können.  Der Schüler ist gefordert mitzudenken, Arbeitsschritte zu planen und im wahrsten Sinne des Wortes um die Ecke zu denken. Eine Flexibilität im Denken wird geschult.

In der 12. Klasse hat der Praktische Zug
Buchbinden über ein halbes Jahr mit zwei Wochenstunden. In diesem Kurs wird alles wiederholt und durch ein Fotoalbum und eine eigene Arbeit, die selber entworfen und geplant wird, abgeschlossen. Hier wird selbständiges verantwortliches Handeln und das Einschätzen der Möglichkeiten gelernt. Was ist machbar, was kann ich leisten und welche Arbeit ist in Kartonage sinnvoll zu gestalten? Alles Fragen, die mit Fachwissen und Selbsteinschätzung zu beantworten sind.

In der MR-Klasse findet über ein halbes Jahr Papiertheorie als Vorbereitung auf die schriftliche Prüfung im Fach Werken statt.


Steinhauen (Gruppe Praktischer Zug, Klasse 11-12)

Das Steinhauen findet im Praktischen Zug in der 11. und 12. Klasse halbjähriug statt und ist ein wesentlicher Inhalt der Kunstfahrt in der 12. Klasse.

Bei den handwerklichen Arbeitsprozessen begegnet der Schüler dem Fachmann, der ihn anleitet, einem Arbeitsprozess zu folgen, der von den Eigenschaften des Materials bestimmt wird. Was der Schüler beim Schmieden gelernt hat, findet beim Steinhauen eine vertiefte Anwendung. Die grundlegenden Werkzeuge wie Meißel, Zahn- und Flacheisen werden geschmiedet und gehärtet. Durch den Härtevorgang  nimmt der Schüler an einer Stoffverwandlung teil, die er verstehen muss, wenn ein gebrauchsfähiges Werkzeug entstehen soll. Beim Steinhauen wird verstärkt der eigene Wille angesprochen. Der Jugendliche muss aus sich heraus die Tätigkeit ergreifen und erst wenn dies gelingt wird er von der Kraft die im Werkstoff steckt unterstützt. Der Stein hat über lange Zeiträume einen Verdichtungsprozess durchgemacht. Durch das Bearbeiten sprengt der Schüler diese  Verdichtung und es löst sich das starre Gefüge. Die innere Sprengkraft im Dialog mit dem eigenen Arbeitswillen ermöglicht eine Formveränderung. So kann nach und nach ein „Gespräch“ entstehen, aus dem eine Form gefunden wird. Wenn jetzt noch eine Idee dazu kommt, ist der Schüler in einem künstlerischen Arbeitsprozess, der über das rein Handwerkliche hinausgeht. Es kommen die Kräfte der Fantasie dazu und der Stein verwandelt sich. Der Schüler bzw. Schülerin kommt somit auf eine höhere Stufe, nämlich die der Gestaltung einer Idee in der Materie und weist dadurch auf eine Entwicklung hin die unerschöpflich ist, aber in den Anfängen erlebt werden kann.