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Deutsch (Klassen 9-12)

Der Deutschunterricht der Oberstufe wird in Epochen und in Fachstunden unterrichtet. Er hat folgende Ziele:

  • Kennenlernen symptomatischer literarischer Werke verschiedener Literaturepochen als Spiegel der Bewusstseinsentwicklung
  • Beschäftigung mit ausgewählten Werken der Literatur als Impuls für die eigene seelische und biographische Entwicklung
  • Kennenlernen und Erüben schriftlicher Ausdrucksformen: vom sachgebundenen Text (z.B. Protokoll, Inhaltsangabe) über die gedankliche Auseinandersetzung mit einem Thema (z.B. Erörterung) bis hin zu kreativen Schreibversuchen
  • Entwicklung eines eigenen Stils

9. Klasse
Noch inmitten der Pubertät betreten die Schüler die Oberstufe. Sie suchen Orientierung, um Schritt für Schritt ihre Individualität entwickeln zu können.
1. Epoche: Goethe und Schiller – Die deutsche Klassik
Anhand der Biographie von Goethe und Schiller (in der 8.Klasse wurden deren Jugendjahre schon behandelt) werden die Ideen der deutschen Klassik erarbeitet sowie zwei entgegengesetzte Lebensideale bzw. Lebensentwürfe vorgestellt: der ideelle (Schiller) und der sinnesorientierte (Goethe) Weg. Die Freundschaft der beiden Klassiker führt zur Ergänzung und gegenseitigen Anregung – ein zentrales Motiv des Jugendalters. Ergänzend werden ein bis zwei literarische Werke gelesen.
2. Epoche:  Humorepoche – Lachen und Weinen
Diese Epoche kommt dem speziellen Entwicklungsstand der Schüler dieser Altersstufe entgegen: dem Lachen als zudem typisch menschlicher Äußerung. Die verschiedenen Formen des Humors sowie ausgewählte literarische Texte und ein umfangreicheres Werk (z.B. Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick) werden behandelt.

10. Klasse
Diese Klasse erforscht in Geschichte und Deutsch die Frage nach dem Ursprung bzw. der Herkunft unserer Kultur und damit der eigenen Individualität: Es ist der Blick zurück.
1. Epoche:  „Das Nibelungenlied“
Die Beschäftigung mit dem sog. deutschen Nationalepos und ältesten deutschen Sprachdenkmälern ermöglicht die Begegnung mit frühen archaischen Bewusstseinsformen und deren Entwicklungsimpulsen sowie eine kritische Sensibilisierung für gegenwärtige Rückfälle in solche heute unzeitgemäße Bewusstseinslagen.Beginn und Entwicklung der deutschen Sprache ergänzen den historischen Blick und können dem Jugendlichen Orientierung geben für die Einordnung gegenwärtiger Entwicklungen der Sprache.
2. Epoche:  Drama
Anhand ausgewählter Werke (z.B. ein antikes Drama sowie ein Drama der Moderne im Vergleich) werden existenzielle Fragestellungen der Menschheit im Spiegel ihrer jeweiligen Epoche erarbeitet. Aspekte der Geschichte des Dramas sowie der Dramentheorie ergänzen diese Thematik.

11. Klasse
Eine verstärkte Individualisierung und seelische Verinnerlichung prägen das Lebensgefühl vieler Jugendlicher in diesem Alter. Die Suche nach dem eigenen Lebensideal rückt in den Vordergrund.
1. Epoche:  „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach
Dieses Epos behandelt in einzigartiger Weise – ganz in Bilder gehüllt – den langen und krisenhaften (deshalb modernen!) Weg eines Individuums vom unbewussten „tumben Tor“ durch viele Höhen und Tiefen bis zum eigenen geistigen Ideal.
2. Epoche:  Literarische Werke mit Entwicklungsmotiven
In Fortführung der Parzival-Epoche werden nun literarische Werke mit Entwicklungsmotiven behandelt, oft aus der Moderne.

12. Klasse
Die Schüler – nun vielfach volljährig – entwickeln einen selbstständigen, eigenverantwortlichen Umgang mit der Welt und sollen sich auf reife und individuelle Weise mit ihrer entwickelten Urteilsfähigkeit im Gespräch begegnen und sich gegenseitig anregen.
1. Epoche:  „Faust“ von J.W.Goethe
Die tiefgründige Beschäftigung mit diesem zeitlosen Werk wirft eine Fülle von existenziellen Fragen und Themen auf, die den Schülern weit in die Zukunft hinein Anregung, vielleicht auch Orientierung geben können (die Rolle des Bösen, der Pakt mit dem Bösen, die Moral der Wissenschaft, das Ringen um Erkenntnis, das Scheitern des Menschen, die Schuldfrage etc.).
2. Epoche: Überblicksepoche
In Form eines Überblicks (von Motiven, der Geschichte, einzelner Gattungen o.ä.) der Literatur soll der Schüler einen zusammenhängenden Blick auf die Geistes– bzw. Bewusstseinsgeschichte der Menschheit gewinnen.Durch die Beschäftigung mit verschiedenen Stilformen der Literatur in den einzelnen Klassen kann sich der Schüler eine zunehmend differenziertere literarästhetische Urteilsfähigkeit erwerben.


Geschichte (Klasse 9-12)

Der Unterricht in der Oberstufe wendet sich den ideengeschichtlichen Strängen zu und beinhaltet– selbst wenn Abweichungen durchaus möglich sind – folgende Hauptthemen:

9. Klasse
Spiegelung der Themen der Geschichte der achten Klasse, mit dem Schwerpunkt auf den Ideen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und ihrer Verwirklichung in der modernen Welt (andere Gesichtspunkte sind auch möglich).

10. Klasse
Dem Jugendalter entsprechend, Neuaufnahme der Alten Geschichte mit großem Gewicht auf der Persischen Epoche (Zarathustra); die griechischen Stadtstaaten, die griechische Philosophie; nordeuropäische Kulturen.

11. Klasse
Mittelalter als Ergebnis einer Fülle von Faktoren, darunter Rom, Judentum, Christentum, Islam; die Kreuzzüge; die Stadt mit ihren vielfältigen Neuerungen.

12. Klasse
Überblicksepoche, die Inhalte werden mit der jeweiligen Klasse festgelegt (z.B.: „Idee der Toleranz“, „Ost-West-Gegensatz“, Freiheit und Diktatur“ etc.).

Dem Lehrer stehen außer den persönlichen Materialien eine gut ausgestattete Geschichtsabteilung der Lehrerbibliothek, Wandkarten, Folien u. a. zur Verfügung. Ein besonderes Augenmerk kommt dem lebendigen, biographiezentrierten Lehrervortrag, aber auch dem Einsatz von Arbeitsblättern und Schülerreferaten zu. In der Oberstufe ergänzen die Schüler ihre Epochenmappen mit themenorientierten Auszügen (Artikel, Landkarten, Schemata), in der neunten Klasse müssen sie im Laufe des Jahres eine Projektarbeit durchführen (im Bereich der Genealogie, Monographie oder Zeitzeugenbefragung).Der Geschichtsunterricht der Abschlussklassen richtet sich nach den staatlichen Lehrplanangaben.


Kunstbetrachtung (Klassen 9-12)

(Hinweis: das Fach Kunstgeschichte gibt es nicht, das waldorfspezifische Fach heißt Kunstbetrachtung)In der Kunstbetrachtung werden von der Antike bis zur heutigen Kunst Epochen der Kunst behandelt. In jeder Oberstufenklassse bildet jeweils ein Kunstbereich  einen Schwerpunkt: Bildhauerei, Malerei, Poetik, Musik, Architektur. Die Epochenlänge liegt zwischen 3-5 Wochen.

In der 9. Klasse wird der Weg der Kunst von den antiken Hochkulturen bis zur Renaissance verfolgt. Durch Betrachtungen von Skulpturen und Gemälden wird der charakteristische Ausdruck verschiedener Kunstepochen herausgearbeitet,  Zeichenübungen und Vergleiche unterstützen die Beobachtungen. So kann z.B. das sich wandelnde Bild „des Menschen“ an den Reproduktionen verschiedener Plastiken erlebt werden.  Die Ausdrucksmöglichkeiten großer Künstlerpersönlichkeiten werden erlebbar und unterscheidbar. Dadurch erschließt sich für den Jugendlichen das Ideal, welches eine Kultur oder einen Künstler geprägt hat.Betrachtungen und eigenständige Auseinandersetzungen mit Kunstwerken schulen zunächst die sachliche und verobjektivierende Wahrnehmung und bieten sodann die Gelegenheit, die eigene Urteilsfähigkeit und einen vertieften Zugang zur Kunst zu entwickeln.

Die Poetikepoche in der 10. Klasse  thematisiert die sog. Naturgattungen der Poesie (Lyrik, Epik und Dramatik) und behandelt allgemeine Kriterien der Ästhetik. Im Zentrum stehen sodann Elemente der Poetik (Stilformen, Metrik, Vers- und Gedichtformen usw.) sowie literarische Selbstversuche (Gedichte, Kurzprosa u.a.).Die Schülerinnen und Schüler sollen erfahren, wie Sprache durch die Verwendungen sprachlicher Mittel wirken kann und für die damit verbundene Problematik sensibilisiert werden. Rhetorik, Stilmittel, Wortwahl, Satzbau werden betrachtet und bewusst auch in eigenen Texten angewandt.

Die 11. Klasse hat zum Inhalt den Vergleich zwischen dem Apollinischen und dem Dionysischen, was z.B. an der Malerei, aber auch an anderen Künsten erlebt werden kann.

Die 12. Klasse gibt einen Überblick über die Architektur als Ausdruck der menschlichen Seelenentwicklung. Die Epoche dient auch der Vorbereitung auf die Kunstfahrt.