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Die Bedeutung des Künstlerischen

„Die Künste sind das Lebenselement der Waldorfschule. Die musischen Fächer und was sich in freien Unternehmungen an ihre regulären Unterrichtsstunden anschließt, haben ihren Wert in sich selbst. Zugleich sind sie aus dem sozialen Leben der Schulgemeinde nicht wegzudenken; sie wecken die Aufmerksamkeit der Schüler für die Arbeit anderer, sie engagieren die Elternschaft und gelegentlich auch die benachbarte Öffentlichkeit.

Nicht zuletzt haben sie aber entscheidende Rückwirkungen auf den theoretischen Unterricht.

Es ist für einen Waldorfpädagogen ein absurder Gedanke, im Fächerkanon „Lernfächer" von Disziplinen abzusetzen, in denen nur gespielt wird. Er betrachtet die Arbeit in den Künsten auch nicht als Ausgleichssport für intellektuelle Anstrengung. Dass er die Wirkung dieser Arbeit auf die Leistungen in den theoretischen Fächern so hoch einschätzt, beruht vielmehr auf seiner Auffassung vom Wesen der Intelligenz. Diese ist für ihn keineswegs auf die Computerfähigkeiten des Kombinierens und Reproduzierens beschränkt. Vom frühesten Alter an fordert er ein Denkvermögen, dessen Funktionen sich nur im Zusammenwirken mit dem Empfindungs- und Willensleben des Kindes entfalten können, eine Intelligenz der Initiative und der schöpferischen Fantasie.

Wer in den Künsten gelernt hat, Unternehmungslust zu entwickeln, mit seinem ganzen Menschen bei der Sache zu sein, unbefangen wahrzunehmen, Einfälle zu haben, energisch zuzugreifen und seinen Gegenstand bis in eine gelungene Form hinein zu bearbeiten, der bewältigt auch die mehr betrachtenden Fächer mit größerer Effektivität."       (Johannes Kiersch)


Künstlerisch-praktische Kurse

Das künstlerisch-praktische Gestalten wird in allen Jahrgangsstufen geübt, um die schöpferischen Kräfte vielseitig zu schulen. Rezitieren, Singen, Malen, Zeichnen und Plastizieren werden in den ersten Schuljahren im Hauptunterricht gepflegt. In der fünften Klasse setzt in Fachstunden der Werkunterricht mit Schnitzen und anderen Holzarbeiten ein. Später treten Schreinern, Kupfertreiben, Buchbinden und Druckgrafik hinzu. Der Handarbeitsunterricht für Jungen und Mädchen führt vom Spinnen und Stricken bis zum Schneidern eines Kleidungsstückes.


Malen (Klassen 1-8)

Das Malen im Klassenlehrerbereich beinhaltet ein weites Spektrum an Themen und Techniken, von großflächigen Farbstimmungen in Nass-in-Nass-Technik (angerührte Aquarellfarbe auf feuchtem Papier) bis zur Bleistift- oder Kohle-Zeichnung, von reinen Farbübungen bis zu illustrierenden und perspektivischen ZeichnungenOpens internal link in current window (Weiteres > Kapitel „Formenzeichnen“). Auch zwischen dem freien malerischen Gestalten mit Wachs- oder Buntstiften und der schrittweisen Führung durch den Lehrer gibt es alle Abstufungen. Da können die Kinder einerseits das aus sich heraussetzen, was in ihnen lebt, und dies in der ihnen eigenen Art und Weise tun – was für Lehrer und Eltern sehr aufschlussreich sein kann  und sie werden andererseits auch durch Vorgaben des Lehrers angeregt und angeleitet, ihre Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit weiterzuentwickeln. So wird sich das eine Kind am wohlsten fühlen, wenn es sich auf großen Bögen ganz den flüssigen Farben hingeben kann, ein anderes bevorzugt den spitzen Stift, um feinste Zeichnungen anzufertigen. Da sich aber alle Kinder in allen Techniken üben, haben diese eine ausgleichende Wirkung: Das eine Kind lernt, von der Feinmotorik bis in die seelische Geste, sich zu straffen, die klare Linie zu finden, das andere, zu stark strukturierte Kind, sich zu lösen, etwas fließen zu lassen.

Gemäß der Entwicklung des Kindes liegt in den unteren Klassen der Schwerpunkt auf den großzügigen Farbflächen, das Erleben und Bewusstmachen der Qualitäten der einzelnen Farben und Farbkombinationen. Sowohl mit den Aquarellfarben als auch mit den Wachsblöckchen lernen die Kinder, aus den Grundfarben die Mischfarben selber auf dem Blatt entstehen zu lassen – immer wieder ein Wunder für sie, welche zahllosen, lebendigen Farbnuancen da entstehen können. Mit den Wachsstiften „erzählen“ die Kinder in Bildern, was sie erlebt oder in Geschichten gehört haben.

Ab der dritten Klasse mit ihren Handwerks- und Ackerbau-Epochen kommen die ersten Sachzeichnungen dazu, in denen Wert auf genaue Wiedergabe gelegt wird. Das setzt sich in den naturkundlichen und Geschichts-Epochen der kommenden Jahre fort, in denen die selbstgeschriebenen Epochenhefte die Bücher ersetzen. Natürlich kann z. B. ein selbstgemalter Löwe oder eine Karte vom alten Ägypten nie so exakt sein wie die entsprechende Abbildung in einem Buch, doch verbindet sich das Kind mit dem Gegenstand viel intensiver, wenn es ihn selbst gemalt hat. Zusätzlich wird das Wasserfarbenmalen weiter gepflegt, indem Themen aus der jeweiligen Epoche aufgegriffen werden, diesmal mehr von der stimmungsvollen Seite: in der Geschichteetwa die Pyramiden im Wüstensand, in der Erdkunde ein Alpenpanorama oder ein Blick in den Dschungel...

Ab der siebten Klasse stehen Schattenlehre und perspektivisches Zeichnen auf dem Lehrplan. Hier ist nicht nur der geschickte Umgang mit Bleistift, Kohle oder Wachsstift gefragt, es muss auch gut beobachtet und es müssen Gesetzmäßigkeiten verstanden werden. Die Farbe und das „spontane“ Malen treten also zurück zugunsten eines Zeichnens, das Abstand und Abwägung verlangt – Fähigkeiten, die auf dem Weg zum Erwachsenwerden gefragt sind.


Handarbeit

An unserer Schule wird der Handarbeitsunterricht von der 1. - 9. Klasse für Mädchen und Jungen gleichermaßen gehalten. Im Laufe ihrer Schullaufbahn wird den Schülern Gelegenheit gegeben sich einmal vom Kopf bis zu den Füßen einzukleiden.

Handarbeit, ist es mehr als Stricken, Häkeln und Sticken nach Mustern und vorgegebenen Anleitungen?

Den Handarbeitsunterricht nur als Geschicklichkeitsübung der Hände durch sinnvolle Tätigkeit zu betrachten, ist zu wenig. In ihrer Stellung zwischen Kopf und Fuß bewirken die Hände durch rhythmisch wiederholte Bewegung und Übung an altersgemäßen Aufgaben sowohl die Kräftigung des Willens als auch des urteilsfähigen logischen Denkens, wobei die Pflege des Gemüthaften den Übergang bildet, d.h., es wird nicht nur die geistige Konzentration und damit das strukturelle und kreative Denken geschult, sondern auch das soziale Tun. Die Schüler sollen lernen, sich gegenseitig zu helfen und zu stützen.

Die Ergebnisse aus der Gehirnforschung der letzten Jahrzehnte weisen darauf hin, dass der Einfluss von Hand und Fingern auf das Gehirn äußerst dynamisch ist. Überblickt man die Befunde, so bestätigt sich die Annahme, dass gerade durch Stricken und Häkeln und andere feinmotorische Tätigkeiten im Handarbeitsunterricht die Areale von Hand und Fingern im Gehirn der Kinder größer werden und im Gegenzug auch die „Intelligenz“ der Hände und Finger einen gewichtigen Einfluss auf das Gehirn als Organ des Denkens haben.

Auf diesen Tatsachen bauen der Lehrplan und die Stundentafel für Handarbeit auf. Dieses Fach wird von der 1. bis einschließlich 8. Klasse durchgehend zweistündig unterrichtet, zunächst in der Unterstufe in halbierter, dann ab der 6. Klasse in gedrittelter Klassenstärke. Neben der Fingerfertigkeit und Geschicklichkeit geht es auch um die Schulung des ästhetischen Empfindens sowie um die Bildung von Sozialkompetenzen, etwa wenn die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse den Erstklässlern das Stricken beibringen.

Stricken, Sticken, Häkeln

In den Klassen 1-5 lernen die Schüler die Grundlagen des Strickens, Stickens, Häkelns und das Anfertigen einfacher Nähte. Die neuen Techniken werden von der spielerisch-künstlerischen Seite eingeführt (Fingerspiele), so dass jedes Kind Spaß daran hat, etwas zu schaffen. Es freut sich über seine Arbeit und gestaltet etwas Nützliches und Brauchbares als Vorbereitung für das Leben. Über allem handwerklichen Tun steht im Handarbeitsunterricht der Anspruch an den Schüler, sein Werk kunstvoll und seinem Zweck gemäß zu entwerfen und zu gestalten. Hierdurch und durch den Umgang mit schönen, «echten» Materialien wird der Schönheitssinn der Kinder entwickelt und gefördert.

1. Klasse:

  • Wolle als Sinnerlebnis
  • Stricknadeln werden selbst hergestellt
  • Stricken lernen

2. Klasse:

  • Im ersten Halbjahr wird das Stricken weitergeführt.
  • Im zweiten Halbjahr wird das Häkeln eingeführt.

3. Klasse:

  • Stricken wird wieder aufgenommen.

4. Klasse:

  • Erlernen des Kreuzstiches und das Nähen von Hand

5. Klasse:

  • Stricken mit dem Nadelspiel

Nähen

In den Klassen 6-8 steht das exakte Nähen von Hand und das Nähen an der Maschine an. Es entstehen Tiere und Puppen, außerdem werden je nach Klasse z.B. Schürzen, Rucksäcke, Bettwäsche, Kostüme und vieles mehr genäht. Durch die Arbeit an der Tretnähmaschine gewinnt der Schüler in der 8. Klasse ein innerlich erlebtes Verständnis von Ursache und Wirkung mechanischer Gesetzmäßigkeiten und das Bedürfnis, diese zu durchschauen.

6. Klasse:

  • Nähen von Hand (Tier)

7. Klasse:

  • Nähen von Hand (Puppe und Puppenkleidung)
  • Eventuell Filzen von Hausschuhen- Einführung der Nähmaschine

8. Klasse:

  • Nähen an der Nähmaschine

Werken

5. Klasse
Der Handwerksunterricht beginnt im 5. Schuljahr mit einer Doppelstunde pro Woche. Die Kinder lernen mit handgerechten Schnitzmessern, Raspel und Schleifpapier aus Holz kleine Gebrauchsgegenstände und einfaches Spielzeug, z.B. Wurfpfeile, Windrädchen, Hui-Hui Hölzer herzustellen. Dabei werden die Kinder geschickt in den Händen und beweglich in den Vorstellungen. Auch wird das Gestalten von Formen mit Ton geübt.

In der 6. Klasse
wird Sägen, Spalten und Schneiden mit den verschiedensten Werkzeugen geübt. Dabei entstehen Bildhauerklüpfel, Pfannenwender, Salatbestecke und erste Höhlungen am Löffel oder Mehlschäufelchen. Die Kinder lernen wie man dem gewachsenen Holz eine schöne und zweckdienliche Form gibt.

In der 7. Klasse
werden Hohlräume gestaltet. Die Kinder lernen, Innenräume – Seelenräume – zu formen. Eine Langzeitaufgabe ist es, eine Schale zu schnitzen, Anschlussarbeiten können Schiffe oder Schatullen sein. Ein zweites Arbeitsfeld der 7. Klasse kann auch das bewegliche Spielzeug sein. Mit Hilfe der Hebelmechanik, Rollen und Ösen, Schnüren oder Pleuelstangen entstehen Tiere, Figuren, Marionetten oder Krane. Im spielerischen Umgang mit der Mechanik verbindet sich das Kind mit den Gesetzen seines Knochenbaus, der Sehnen, der Muskulatur, die sich jetzt altersgemäß stark verändern.

Im 8. Schuljahr
nun kann mit Hobelarbeiten begonnen werden, so dass z.B. Regale entstehen. Ziel ist das bewusste Führen des Werkzeugs in der Fläche. Im zweiten Bereich entstehen im Schnitzen frei gestaltete Werkstücke, z.B. Kerzenständer, Marionetten oder Nussknacker, wo die Raumformen bewusst ergriffen werden sollen. Darüber hinaus kann die Gestaltung von Kulissen und Requisiten für das Klassenspiel zu weiteren Aufgaben führen, wo konstruktives und materialsparendes Denken verlangt werden.

 


Gartenbau

Allgemeine Gegebenheiten
Unser Schulgarten ist ca. 6000 qm groß, mit den Außenanlagen zusammen ca.12000 qm. 2 Gewächshäuser stehen auf unserem Grundstück, ein kleiner Teich für Wasserpflanzen ist angelegt.

Im Gartenbauunterricht für die Klassen 5-8 werden die Klassen grundsätzlich gedrittelt, um jeden Schüler individuell betreuen zu können.

Zum Inhalt:
In der 5. bis zur 8. Klasse sollen die Schülerinnen und Schüler Zugang zur lebendigen Natur erhalten. Sie werden in die verschiedenen Arbeitstechniken eingearbeitet, um später verantwortungsbewusst Pflegemaßnahmen durchzuführen, die der Natur, Pflanzen und Tieren positiv entgegenkommen. Diese Arbeitstechniken sind u.a.: Beobachtungen an Pflanzen, Wetter, Tieren, Bodenbeschaffenheiten etc. durchführen (aufschreiben, dokumentieren, Erkenntnisse daraus gewinnen), Aussaaten, ob im Freiland oder unter Glas, sämtliche Pflegetechniken, wie Hacken, Jäten, Gießen, Schneiden und Sägen sowie Veredeln. Die Planung über die Gestaltung eines Nutz- oder Ziergartens gehört ebenfalls zu dem Lernstoff in dieser Zeit. Über allem steht die Lehre der Ökologie. Der Mensch im Einklang mit den Elementen Wasser, Erde, Luft/Licht und Feuer.Baumkunde, Gemüsebau, Obstbau und Staudenkunde sowie biologischer Pflanzenschutz, die Ernährung und Kompostwirtschaft, Werkstoff- und Gerätekunde und die Lehre von der Landwirtschaft gehören genauso in den Unterricht wie das soziale Miteinander im Klassenverband, in Kleingruppen, sowie die persönliche Auseinandersetzung mit dem Wesen der Natur da draußen und dem Wesen in mir. Deshalb ist der Gartenbauunterricht ab der 5. Klasse bis zur 8. Klasse in der Pubertätsphase pädagogisch besonders wertvoll.

Ein Teil des Gemüse- Kräuter- und Obstbauanbaues wird von unserer Gemeinschaftsküche verwendet. Auch Blumen für die Tischdekoration kommen aus dem Schulgarten. In der Adventszeit lernen die Schüler das Kranzbinden.

 

Die einzelnen Jahrgangsstufen:

5. Klasse:
Erlernen der Grundtätigkeiten im Gartenbau, Kennenlernen des Schulgartens
Schwerpunkt: Kräuter- und Gemüsebau

6. Klasse:
Erlernen der Grundtätigkeiten im Gartenbau
Schwerpunkt: Kräuter-, Gemüse- und Blumenanbau

7. Klasse:
Üben der Grundtätigkeiten und selbstständiges Ausführen der Arbeiten
Schwerpunkt: Gemüse- und Obstanbau, Gartengestaltung und Baumschule (Grundbegriffe und Techniken erlernen) sowie Ernährung (Grundlagen)

8. Klasse:
Natur- und Landschaftspflege sowie forstbauliche Aufgaben, Vermehrung und Veredelung von Gehölzen (Grundbegriffe und einzelne Techniken), Landwirtschaft


Kochen (PZ)

Der Praktische Zug in der 7. Klasse
beginnt mit dem Fach Nahrungszubereitung (Kochen). Neben dem Erwerb von Grundkenntnissen des Kochens, wird vor allem auf die Beachtung bei der Auswahl der Zutaten Wert gelegt, es sollen vor allem regionale Lebensmittel und Bioprodukte verwendet werden. Die Jahreszeiten und die saisonalen Produkte spielen dabei eine große Rolle.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der weiteren Ausbildung der Sinne. Unter dem Motto „Riechen wie es schmeckt“ arbeiten die Schüler und Schülerinnen ausschließlich mit frischen Lebensmitteln. Fertigprodukte werden nur zum Vergleich herangezogen. Neben fühlen, riechen, sehen und schmecken wird den Schülerinnen und Schülern auch die  Beachtung der Zeitplanung vermittelt. Ernährungslehre findet während der Arbeit mit den Nahrungsmitteln statt.

Die Schülerinnen und Schüler erwerben sich Geschicklichkeit im Umgang mit den Werkzeugen. Selbstverständlich sind Hygiene und ein aufgeräumter Arbeitsplatz. Sie lernen, den Arbeitsprozess zu strukturieren und zu planen, so dass alles zum rechten Augenblick auf dem Tisch steht. Das Fach „Gesundheits- und Ernährungslehre“ wird als Epoche in der 6. oder 7. Klasse vom Klassenlehrer gegeben.