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Deutsch

Lesen

Getreu dem Motto „Vom Tun zum Verstehen“ folgt das Lesen der Aktivität des Schreibens. Man liest in der ersten Klasse zusammen mit dem Lehrer, meist auch im Chor das Geschriebene. In der zweiten Klasse wird dies fortgeführt, zusätzlich „lesen“ die Kinder ihr Selbstgeschriebenes, soweit dies ihnen eben möglich ist. Das Kind soll erleben, wie die Schrift aus der Sprache kommt und im Lesen wieder lebendig wird. Dies wird durch die stärkere Beachtung der Sprachartikulation in der dritten Klasse noch vertieft. Das früher instinktive Empfinden von Dehnung und Schärfe oder Kürze der Laute wird jetzt ins Bewusstsein gehoben. Man behandelt die Orthographie vom Hören und Artikulieren aus. In der dritten Klasse wird oft ein Lesebuch angeschafft oder selbst gemacht. Auch richten viele Klassen in diesem Schuljahr eine Schülerbibliothek ein, die sie aus geeigneten Büchern (vorher mit den Eltern besprochen) zusammenstellen. In der vierten Klasse steht zusätzlich ein Lesebuch der Tierkunde für alle Schüler als Halbklassensatz zur Verfügung, in der fünften das Lesebuch der Pflanzenkunde, in der siebten ein Buch über verschiedene Völker der Erde.  

Schreiben

So wie die verschiedenen Kulturen der Menschheit im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte ihre Schriften aus Bildern entwickelt haben, langsam immer abstrakter werdend, bis zum „nackten“ Buchstaben hin, so lernen auch die Kinder der Waldorfschule in der ersten Klasse die lateinischen Großbuchstaben kennen. Eine Geschichte wird erzählt und gemalt, in der der zu entwickelnde Buchstabe in charakteristischer Weise vorkommt. Am folgenden Tag  wird nur noch das Hauptmotiv mit dem Buchstaben darin gemalt und dann der Buchstabe  alleine. Dazu werden Texte gesprochen, die sich an die Geschichte anlehnen und in denen möglichst häufig der zu erlernende Buchstabe vorkommt. Weiterhin können dazu passende eurythmische Bewegungen gemacht werden, so dass die Kinder mit allen Sinnen in die „Qualität“ des Buchstabens eintauchen. Dieser Prozess zieht sich über zwei oder drei Tage hin, dann wird die Geschichte fortgesetzt mit einem weiteren Buchstaben. Wir fangen mit den Vokalen an, die immer Ausdruck seelischer Innenwelt sind, dann folgen die Konsonanten, mit denen Ausdrücke der Außenwelt nachgebildet werden. In der zweiten Klasse lernt nun das Kind die kleinen lateinischen Druckbuchstaben als „kleinere Geschwister“ der Großbuchstaben kennen. Die Kinder schreiben jetzt mit dem Holzstift; die Einführung dieser Buchstaben geht schneller. In manchen Klassen wird im zweiten Schuljahr auch schon die lateinische Schreibschrift eingeführt, oft aber auch erst in der dritten Klasse. Nun wechselt man auch zum Füller, nachdem, auch hier die Entwicklung in der Menschheitsgeschichte beachtend, zunächst mit einer Feder (wenn möglich mit einer echten Gänsefeder) geübt wurde. Viele Kollegen lehren mit der Feder die alte deutsche Schreibschrift oder die gotische Druckschrift. In späteren Jahren lehren manche Lehrer ihre Schüler noch andere Schriften. Dies geschieht dann aus dem Grund, den Schreibprozess wieder „bewusster“ zu machen, zu verlangsamen und somit an der Handschrift „zu arbeiten“. Sind in der ersten Klasse die Vokale und einige Konsonanten eingeführt, so werden Worte gesucht und geschrieben, die man mit diesen Buchstaben bilden kann. In der zweiten Klasse schreiben die Kinder überwiegend noch die Texte von der Tafel ab, gerne wird aber auch schon manches eigenständig geschrieben. Auf die richtige Orthographie wird hingewiesen, sie wird aber - da letztlich Konvention -  noch nicht eingefordert. Man liest laut und versteht dann auch den Inhalt. Oft wird in dieser Klasse auch ein Postkasten aufgehängt, über den sich die Kinder gegenseitig Briefchen zukommen lassen. In der dritten Klasse werden dann kleine eigene Niederschriften, vor allem im Zusammenhang mit dem Sachunterricht, weiter geübt.


 

Rechnen (Kl. 1-4)

„Gut begonnen ist halb gewonnen“ ist ein Sinnspruch, der auch im Rechnen seine Gültigkeit hat; denn nur zu leicht kann durch „Überfrachtung“ ein unbefangener Zugang zur Mathematik vereitelt werden. Genau wie beim ersten Schreiben von Buchstaben durch das Bild und die Einbindung in eine Geschichte die individuelle Gestalt eines geschriebenen Lautes entsteht, sollen auch die ersten Zahlen zunächst als bedeutungsträchtige Figuren erscheinen. Beispielhaft hierfür die „Eins“, die als die größte Zahl erlebt wird, weil in ihr alles enthalten ist, oder die „Zwei“, die als Vertretung der Gegensatzpaare von Tag und Nacht, Himmel und Erde oder links und rechts empfunden werden kann. Damit wird auch eine seelische Verbindung zu der Welt der Zahlen hergestellt. Durch klatschendes Zählen, rhythmisches Rezitieren der Einmaleinsreihen oder das Teilen als abmessendes Schreiten, soll das Rechnen den ganzen Leib ergreifen und nicht nur den Kopf anstrengen. Bevor einzelne Rechenarten vertieft werden, lernen die Kinder beim Dividieren einer vorgegebenen Anzahl von Kastanien oder Steinen gleich alle vier Grundrechenarten kennen, indem sie zunächst in einem anschaulichen fast noch spielerischen Tun leben, um später dann zur abstrakten Rechenfertigkeit zu kommen.


Mathematik (Kl. 5-8)

Auch in der Mittelstufe wird das Prinzip des anschauliche-begreifbaren Tuns im Rechnen fortgeführt, bevor eine gedankliche Durchdringung stattfindet, so dass sich auch lernschwache Schüler und Schülerinnen ein gewisses Grundverständnis erwerben können. Themen sind hier die Vertiefung des schon in der 4. Klasse angelegten Bruchrechnens, die Verhältnisrechnung (Dreisatz, Zinsrechnung und das kaufmännische Rechnen), in der Geometrie der pythagoreische Lehrsatz die Flächen- und Volumenberechnungen und die platonischen Körper, in der Algebra das Rechnen mit einer Unbekannten.


 

Formenzeichnen (Kl. 1-4)

Das Formenzeichnen ist eine Epoche, die im bildnerischen Bereich jeder Klassenstufe die jeweils verfügbarer werdenden Kräfte des Kindes beansprucht und fördert. Ein pädagogischer Kunstgriff ist die Angabe Rudolf Steiners, Form und Farbe in der pädagogischen Arbeit zu trennen. Dies lässt die Kinder schon in der ersten Klasse einerseits beim Wasserfarbenmalen in reines Farbempfinden eintauchen und trägt  andererseits im Zeichnen der geraden und gerundeten Linien zur Ausbildung einer geschickten Hand sowie eines wachsamen Auges bei. Daher wird mit einer Formenzeichenepoche das Schreiben vorbereitet. Zu ergänzende Spiegelformen regen in der zweiten Klasse die Hirntätigkeit an, was auch in der dritten und vierten Klasse durch freie Symmetrien und sich überschneidende Flechtbandmuster weiter gefördert werden soll. Das Formenzeichnen mündet in der fünften Jahrgangsstufe in eine Epoche der Freihandgeometrie und bildet dann die Grundlage für den Umgang mit Zirkel und Lineal sowie das perspektivische Zeichnen oder die schwarz-weißen Schraffurtechniken in der Oberstufe.


Geometrie (Kl. 5)

In der Geometrie der fünften Klasse werden die geometrischen Grundelemente behandelt, die von den Kindern dann frei zeichnerisch, also noch nicht durch genaue Konstruktion mit dem Reißzeug, dargestellt werden. Besonders wichtig ist dabei immer wieder die Vorstellung des bewegten Dreiecks. Das Besondere an dieser Epoche ist auch, dass der Lehrer nicht an der Tafel vorzeichnet, sondern die Aufgabenstellung diktiert, sodass die Schüler sehr genau, immer dem Wortlaut folgend, seine Aufgabe durchführt. Das Ergebnis ist dann für die Schüler oft “verblüffend”. Auch der Lehrsatz des Pythagoras kann behandelt werden.


Handwerkerepoche (Kl. 3)

In der dritten Klasse verbindet sich das Kind besonders intensiv mit der Welt, ja tritt ihr in einer neuen Weise gegenüber. In der Handwerkerepoche lernen die Schüler die Urberufe wie Jäger, Bäcker, Maurer, Schneider kennen, wobei z.B. Wert darauf gelegt wird, wie die Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft jeweils zum Herstellungsprozess beitragen. Auch soll der ganze Prozess in den Blick genommen werden, beispielsweise beim Getreideanbau vom Urbarmachen, Pflügen, Eggen, Säen bis zum Dreschen und Brot backen.


Hausbauepoche (Kl. 3)

Im 9. Lebensjahr ist das Kind endgültig “auf der Erde angekommen”. Es “erbaut” nun sein “Lebenshaus”, mauert ein Fundament, zieht Wände hoch, schafft sich ein Dach über dem Kopf und richtet sein Haus wohnlich ein. Dies alles passiert so weit wie möglich “real”, d. h.: Es wird tatsächlich ein kleines Hausbauprojekt für alle Kinder der Klasse angeboten oder jedes Kind baut sein eigenes “Spielhaus” mit den angesprochenen Elementen. Darüber hinaus werden im Unterricht die Be-Hausungen der verschiedenen Kulturen der Welt in ihren historischen Abstammungen behandelt, immer in Abhängigkeit von den klimatischen Verhältnissen und den vorhandenen Baumaterialien.


Heimatkunde (Kl. 4)

Das Konzept der Heimatkunde ist, dass die Schüler sich mit einem konkreten Erdenort verbinden und erfahren, wie die natürliche Umgebung dieses Ortes bestimmenden Einfluss auf den Menschen nimmt. So machen sich in der vierten Klasse die Kinder auf, ihre nähere und weitere Umgebung kennen zu lernen. Das Sich-Orientieren im Raum (Himmelsrichtungen) wird nicht nur aufgeschrieben bzw. gezeichnet (Windrose), sondern auch geübt („stelle dich auf in Nord-Nordost“ usw.). Auch lernen sie, wie man mit Hilfe von Sternen oder Kennzeichen in der Natur sich orientieren und die Himmelsrichtungen finden kann. Natürlich wird die Stadt erkundet, mit Flüssen, Bergen, dem Gestein, Kirchen und verschiedenen Hinweisen zu Kunst, Kultur und Wirtschaft. Ein Relief der Stadt kann modelliert, Gebäude, Wappen usw. genau gezeichnet werden. Die weitere Umgebung, z. B. entlang der Zuflüsse des Mains, wird in Ausflügen erwandert und aufgezeichnet bzw. aufgeschrieben. Dabei wird die Heimat als ein sich wandelndes Gebiet erlebt, indem z.B. auf frühere wirtschaftliche Verhältnisse geachtet wird.

In einer zweiten Heimatkunde-Epoche wird dann Franken bzw. Bayern „erobert“, zum Teil auch mit dem Rad (z. B. entlang des Mains). Die verschiedenen Gesteine „erzählen“ ihre Geschickte (roter Spessart-Sandstein, Rhönbasalt usw.)


Erdkunde (Kl. 5-8)

In der 5. Klasse lenkt sich der Blick auf Deutschland (z. B. entlang des Rheins) und auf Mitteleuropa. In dieser wie auch in den folgenden Klassen soll ein Gefühl dafür geweckt werden, wie die Landschaft den Menschen und seine Arbeit geprägt hat und prägt.


Geschichte (Kl. 5-8)

An unserer Schule kommt Geschichte ein sehr hoher Stellenwert zu. Der Geschichtsunterricht beginnt in der 5. Klasse und ist sowohl in der Mittel- als auch in der Oberstufe auf je zwei Epochen (insgesamt also fünf Wochen) ausgelegt. Insgesamt gesehen, ist der Geschichtsunterricht der Mittelstufe narrativ und bildhaft geprägt, das einfache kausale Urteil kann aber ab der sechsten Klasse durchaus gefordert werden.

5. Klasse
Im Geschichtsunterricht der fünften Klasse sollen inhaltlich die alten Kulturen in Bezug zueinander und zur Gegenwart behandelt werden. Der Fokus liegt dabei auf deren kulturgeschichtlichen Entwicklungsaspekten und nicht auf einer faktisch-nüchternen Darstellung chronologischer Daten. Historische Persönlichkeiten bieten vorbildhafte Identifikationsmöglichkeiten für die Schüler und Schülerinnen. Eine Fülle zu behandelnder Themengebiete reichen von orientalischen und altindischen Texten, wie beispielsweise der Bhagavad Gita, der ägyptischen und griechischen Mythologie sowie den Kulturerrungenschaften der verschiedenen Völker und deren Aus- und Verbreitung bis hin zum Leben und Wirken Alexanders des Großen.

6. Klasse
Die zentralen Inhalte dieser Klasse bilden die Beschäftigung mit Rom (in der Betonung der Übergänge zum Mittelalter), den Kreuzzügen, den Staufern, die  Völkerwanderungszeit, die historische Rolle des Islams und der Entstehung der europäischen Staaten.

7. Klasse
Der Anfang der Neuzeit, verbunden mit den geographischen Entdeckungen, der Renaissance und der Reformation, der Dreißigjährige Krieg und die Entstehung des modernen Staates stehen im Mittelpunkt der inhaltlichen Vermittlung dieses Schuljahres.

8. Klasse
Die Französische Revolution, die Industrielle Revolution, der Erste und Zweite Weltkrieg bilden den Kern dieser Klasse. Der anvisierte Geschichtsunterricht in dieser Jahrgangsstufe sollte sich bis ins 21. Jahrhundert erstrecken, was aber aus Zeitgründen bisher selten erreicht worden ist.


Menschen-Tier und Pflanzenkunde /Biologie (Kl. 4-8)

Übergeordnete Aspekte und allgemeine Unterrichtsziele

In einer nicht wissenschaftlichen Form hat der Naturkundeunterricht schon ab der 1. Klasse in den verschiedenen Erzählungen sowie im Erleben der verschiedenen Jahreszeiten, Ackerbauepoche usw. seinen festen Platz. Die Achtung vor der Würde des Lebens soll erweckt werden, wie auch Dankbarkeit gegenüber der Schöpfung und die Verantwortlichkeit des Menschen, außerdem ein Gefühl dafür, dass, so wie Pflanzen und Erde zusammengehören, auch der Mensch und die Tierwelt eine Einheit bilden, dass alles Lebendige miteinander vernetzt ist.Vom Ganzen ausgehend wird das Kind immer dichter an die Einzelheiten und die Zusammenhänge herangeführt.

4. Klasse:
Die erste Tierkunde wird mit der ersten Menschenkunde verknüpft. Die physische Organisation des Menschen, gegliedert nach Kopf-, Rumpf- und Gliedmaßen-Stoffwechselsystem, bildet Ausgangspunkt und Grundlage der Gliederung der Epoche. Für jeden Teil wählt der Lehrer symbolhaft ein Tier, bei dem das jeweilige System besonders betont entwickelt ist, zum Beispiel Maus und Tintenfisch. Ziel ist, dem Kind die Besonderheit des Menschen aufzuzeigen und gleichzeitig, in Verbindung zum Menschen, die unterschiedliche Wesenheit verschiedener Tierarten erlebbar zu machen. Mögliche weitere Unterrichtsinhalte: durch die Auswahl weiter Tierarten bzw. –gruppen einen ersten Einblick in die Vielfalt der Organisationsformen und Lebensgemeinschaften zu geben.  

5. Klasse:
Fortfahren mit der in der 4. Klasse begonnenen Betrachtung der Tierarten, beginnend mit der Dreiheit von Adler, Löwe und Rind. Die erste Pflanzenkunde führt das Kind über genaue Schilderungen des Lebensraums der verschiedenen Pflanzen, ihres Lebens in den Jahreszeiten und vielen Begegnungen und Beobachtungen in der Natur in einen seelischen Bezug zur Pflanzenwelt.
Tierkunde: von den drei Ausgangsarten ausgehend eine erste Besprechung der wichtigsten Arten bzw. Gruppen der Vögel, Raubtiere und Huftiere, dabei jeweils übend anhand des Körperbaus und der Lebensweise die Wesenheit der jeweiligen Art/Gruppe zu erkennen.
Pflanzenkunde: Blüten, Blätter, Wurzeln kennenlernen, den Unterschied zwischen Blüte und Baum, Gliederung des Pflanzenreichs begreifen.    

6. Klasse:
Mit der größer gewordenen Fähigkeit kausale Zusammenhänge zu erkennen, werden in der Pflanzenkunde jetzt Baupläne, Standort und zeitlicher Lebenslauf verschiedener Pflanzen/-familien untersucht und in Bezug zum Jahreslauf gebracht. Aus dem Geografieunterricht ergibt sich sowohl ein Einblick in die Vegetationszonen als auch ein Einstieg in das „physikalisch-logische“ Gebiet der Naturkunde, die Mineralogie, die Rudolf Steiner für das 6. Schuljahr sehr wichtig ist.
Pflanzenkunde: verschiedene Pflanzenfamilien zu den Jahreszeiten, in denen sie charakteristischerweise auftreten, z.B. Einkeimblättrige im Frühjahr, oder die wichtige Nahrungs- oder Heilmittelarten enthalten, besprechen.
Mineralogie: Gebirgsbildende Gesteine und Formen, Zusammensetzung wesentlicher Gesteine, Edelsteine und ihre Verarbeitung

7. Klasse
Der Mensch tritt wieder in den Vordergrund. Die inneren Organe und ihre Aufgaben sowie häufige Krankheiten werden einführend besprochen, auch deren Heilung. Den Schwerpunkt bildet die Ernährungs- und Gesundheitslehre. Darunter fallen nicht nur die Auswahl der Nahrungsmittel und die Verdauungsvorgänge, sondern auch die soziale und kulturelle Bedeutung wie auch die Vorbeugung von Krankheiten, die Bedeutung der Hygiene und das Kennenlernen einfacher, praktischer hausmedizinischer Heilmittel.

8. Klasse:
In dieser körperlichen wie seelischen Umbruchphase steht wiederum der Mensch im Mittelpunkt. Das Kennenlernen der stark von den physikalischen Gesetzmäßigkeiten bestimmten Funktionsweise der Sinnesorgane und der Bewegungsorganisation (Willkürmuskulatur und Skelett) helfen, ein neues Verhältnis zum eigenen Leib zu bilden. Diese Epoche deckt sich inhaltlich mit der Biologieepoche der 9. Klasse, so dass sich Klassen- und Biologielehrer eng absprechen.


Sexualerziehung /Beziehungskunde

Das Konzept zur Sexualerziehung an der Freien Waldorfschule Würzburg basiert auf drei Säulen: Elternhaus, Schule und externe Fachberatung (bei Bedarf).
Die Sexualerziehung ist eingebettet in den jahrgangs- und fächerübergreifenden Bereich Beziehungskunde. Damit werden Fragen zur Sexualität nicht nur auf Fakten im Rahmen einer isolierten Einzelveranstaltung reduziert, sondern eingebunden in einen größeren Zusammenhang. Dem engen Austausch zwischen Elternschaft und Klassenlehrer/in kommt dabei große Bedeutung zu.
Grundlage für einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Sexualität im späteren Leben ist die gesunde Beziehung zum eigenen Körper, zum sozialen Umfeld und zur Welt an sich. Diese Beziehung erhält durch die vielfältige Sinnesschulung im „bewegten Klassenzimmer“ in der Unterstufe eine wichtige Grundlage. Um einen natürlichen Schutz aufzubauen, ist der pädagogische Ansatz in der Unterstufe die Stärkung der Persönlichkeit des Kindes. So kann sich später ein gesundes Verhältnis zur Sexualität entwickeln.
Die Geheimnisse des Lebens wie Geburt, Tod, Herkunft, Bindung und Freundschaft werden den Kindern der Unterstufe über bildhafte Erzählungen zum Erlebnis gebracht, mit denen sich die Kinder individuell verbinden können. Dabei steht im Mittelpunkt die Achtung vor dem Lebendigen und dem seelisch-geistigen Wesenskern des Menschen. Auf Nachfragen der Kinder wird in kindgemäßer Weise eingegangen. Die Kinder sollen sich wahr- und ernst genommen fühlen. An Elternabenden wird auf den folgenreichen Einfluss von Medien im Hinblick auf die gesunde Entwicklung der Sexualität des Kindes hingewiesen.
In der Naturkundeepoche der vierten Klasse findet anhand der Tierwelt eine Annäherung an die Lebensphänomene Schwangerschaft und Geburt statt. Körperliche Reifeschritte werden nicht auf intellektuelle Weise erklärt. Inhalt der Epoche ist zudem der Gegensatz zwischen dem instinkthaften und triebgebundenen Dasein des Tieres und der Möglichkeit einer freien und verantwortungsvollen Lebensführung durch den Menschen.
In der fünften und sechsten Klasse wird der Fragenkomplex rund um die Aufklärung (Wer? Was? Wann? Wie? Warum?) in Elternabenden gemeinsam bewegt. Bei passenden Gelegenheiten werden dann zu Hause, aber auch im Unterricht Themen wie die geschlechtsspezifischen Veränderungen bei Mädchen und Jungen sowie die Wichtigkeit der körperlichen Integrität und der Wahrung der Privatsphäre eines anderen Menschen angesprochen.
In der Menschenkunde-Epoche der siebten Klasse werden Lebensfragen erörtert und der organische Bau des Menschen näher kennengelernt. Bei Bedarf kann in Absprache mit der Elternschaft im zweiten Halbjahr des Schuljahres eine externe Beratung  eingeladen werden. In geschützter Atmosphäre werden individuelle Fragen zur Sexualität geklärt. Bei einer solchen Veranstaltung werden die Schüler auch über Verhütung, AIDS und Hygiene aufgeklärt.
„Es ist unendlich wichtig für den Menschen, dass er die Geheimnisse des Daseins in Gleichnissen empfängt, bevor sie in Form von Naturgesetzen ihm vor die Seele treten.“ (Rudolf Steiner)


 

Chemie (Kl. 7-8)

Der Chemieunterricht in der Mittelstufe beruht auf einem phänomenologischen Ansatz. Grundgedanke ist zunächst die Annahme, dass die Welt nicht aus Stoffen besteht, die sich nach einem abstrakten Modell ordnen lassen, sondern aus Erscheinungen, die untersucht werden können. Die aktiven Sinneserfahrungen der Schüler bei der Beobachtung und Durchführung der jeweiligen Versuche sollen ernst genommen und einbezogen werden; die Vorgänge in der Natur werden zunächst qualitativ und nicht quantitativ erfasst. Dadurch kann ein anderes Verhältnis zur Natur entstehen. Anhand der Wahrnehmungen während eines chemischen Vorganges werden im zweiten Schritt kausale Denkkräfte geschult. Das eigene Anschauen und Urteilen soll gestärkt werden, was zu ersten chemischen Begriffen führt.

Im Mittelpunkt der ersten Chemieepochein der siebten Klasse stehen, ausgehend vom Feuer, alltägliche Erscheinungen, die zu weiteren Fragen und Themen führen, wie die Untersuchung der Verbrennungsrückstände Asche, Kohle und Kohlendioxid. Im zweiten Schritt wird das Auftreten von Säure und Base untersucht. Möglichkeiten zu deren Nachweis  (Indikatoren) werden kennengelernt. Weitere Schwerpunkte in der siebten Klasse sind der Kalk, das Kalkbrennen und die Metalle.

In der achten Klasse stehen die in der Nahrung des Menschen wirkenden Naturkräfte im Mittelpunkt. Es geht um die Gewinnung von Stärke, um Kleber als Eiweißkomponente des Mehls, um das Eiweiß, den Zucker sowie Fette und Öle. Anhand der Seifen-, Papier und Zuckerherstellung  wird der Zusammenhang von chemischen und industriellen Prozessen herausgearbeitet.


Physik (Kl. 6-8)

Mit der 6. Klasse wird das Fach Physik eingeführt und von da an in jeder Jahrgangsstufe als drei- bis vierwöchige Epoche unterrichtet. In der Mittelstufe steht die unvoreingenommene Beobachtung von Experimenten und Erscheinungen aus dem alltäglichen Leben im Vordergrund. Bei allen Themen (Akustik, Optik, Wärmelehre, Mechanik, Elektrizitätslehre und Magnetismus) wird ein Bezug zum wahrnehmenden und empfindenden Menschen hergestellt. Mit zunehmender intellektueller Reife werden die Zusammenhänge gedanklich weiter geordnet und Gesetzmäßigkeiten phänomenologisch beschrieben oder mathematisch erfasst.