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Projektarbeit (8. Klasse)

Für die Zeit, da die Jugendlichen in sich neue Seelenräume erschließen, erachtet es Rudolf Steiner als vorrangig, ein starkes Interesse für die äußere Welt zu entwickeln, damit die bisweilen mächtig hervortretende Emotionalität  nicht Gefahr laufe, in sich selbst zu kreisen.
Während der Lehrplan ab der 6. Klasse mit Physik und Chemie verstärkt in die sehr praktisch vermittelten naturwissenschaftlichen Fächer einführt, sollten auch in der Geografie oder Geschichte ganz handfeste Dinge wie Wetterbeobachtung, Handhabung astronomischer Geräte zur Standortbestimmung oder völkerkundliche Studien mit Erlebnischarakter (z.B. Übernachten in einem Nomadenzelt) in den Unterricht einfließen. Dabei wird den Schülern oft die Möglichkeit eröffnet, sich anhand eines Referates einem speziellen Interessengebiet in besonderer Weise zu widmen. Die meisten Schüler ergreifen diese Gelegenheiten zur Eigeninitiative sehr gern, und da liegt es nahe, dass sich die Schüler am Ende der Klassenlehrerzeit in einer Projektarbeit einem ganz frei gewählten Thema widmen. Dies kann sehr wohl aus dem Unterricht (aller Fächer) erwachsen, muss aber nicht.

Es sollte ein praktischer Teil den Schwerpunkt bilden. Der kann im Handwerklichen angesiedelt sein, wie etwa das Bauen eines Kaninchenstalls oder Nähen eines Konfirmationskleides. Manche Kinder gehen in der Freizeit sogar zu einem Goldschmied oder in eine Bäckerei und lernen dort die fachmännische Herstellung einer Sache. Künstlerisch könnte es in die Landschaftsmalerei mit Pastellkreiden oder ins Plastizieren einer Reihe von Aufbaugefäßen gehen. Drachen oder Bumerangs kann man bauen; eine Tanz- oder Zirkusnummer kann bis zur Aufführungsreife erübt werden; und musikalische Kinder widmen sich vielleicht intensiv einem Musikstück ihres Lieblingskomponisten.
Die Arbeitsspanne, die in der Regel auf 3 Monate festgelegt ist, sollte durch einen überschaubaren schriftlich-theoretischer Teil von 8-10 Seiten abgerundet werden. Mit der Klärung sachkundlicher Voraussetzungen, der Verdeutlichung von Arbeitsabläufen oder Schilderungen überwundener Schwierigkeiten ist dann zumeist schon ein Fundament gelegt für den dritten Teil des Projekts.

Eine kurze Erläuterung des gewählten Themas und ein Rückblick auf die Schaffensphasen in einem 5- bis 10-minütigen Vortrag gibt am Ende jeder Schüler bei der festlichen Darstellung aller Klassenjahresarbeiten. Dazu versammeln sich Schüler und Eltern an einem Samstag, um die in einer Ausstellung präsentierten oder auf der Bühne vorgeführten Arbeiten zu bestaunen und zu würdigen.


Jahresarbeiten (11. Klasse)

Die Jahresarbeit ist neben dem Eurythmieabschluss und dem Theaterstück in der 12. Klasse  ein Element des Waldorfschulabschlusses.
In der elften Klasse beschäftigt sich jeder Schüler von Anfang Oktober bis Ende Mai mit der Jahresarbeit. Er wird dabei von einem Tutor begleitet.
Die Jahresarbeit umfasst einen schriftlich–theoretischen Teil sowie einen praktisch–künstlerischen Teil. Beide Teile sollen in thematischer Beziehung zueinander stehen. In der Wahl der Themen wird den Schülern große Freiheit gegeben, damit individuelle Begabungen – auch auf eher nicht schulischem Bereich – gefördert und an einem anspruchsvollen Thema erprobt werden können. Zur Genehmigung der Themen wird eine Tutorenkonferenz abgehalten, in der das Projekt vom jeweiligen Tutor vorgestellt wird. Die Konferenz achtet auf einen angemessenen Arbeitsumfang und berät den Tutor.

Die Schüler können – und sollen – durch diese weitgehend selbst verantwortete Arbeit wesentliche Schritte in ihrer Entwicklung machen, zumal allgemeine Fähigkeiten wie Planen, Organisieren, Durchhaltevermögen, Umsetzen von Ideen in die Praxis, Reflexion der einzelnen Schritte u.a.m. geschult werden. Der Schwerpunkt sollte beim Praktischen liegen, im Schriftlichen werden die Arbeitsprozesse beschrieben und theoretisch ergänzt, oft auch durch weiterführende Abhandlungen erweitert. Je nach Thema wird es allerdings unterschiedliche Gewichtungen geben.

In einem dritten Schritt werden zuletzt die Arbeiten vorgeführt – wenn es künstlerische Darbietungen sind – und gemeinsam ausgestellt. Zudem erläutern die Schüler in einer öffentlichen Veranstaltung ihre Arbeit mit einem ca. 15-minütigen Referat und beantworten Fragen aus dem Publikum. Die Vielfalt der Themen und die durch die vertiefte Beschäftigung mit einer selbst gesetzten Aufgabe oft erstaunliche Qualität der Ergebnisse werden jedes Jahr bei der öffentlichen Darstellung der Jahresarbeiten von zahlreichen interessierten Besuchern bestaunt und mit Lob bedacht.