Sie sind hier: Schule / Pädagogische Förderungen
...

Individuelle Therapie- und Fördermaßnahmen

Individuelle Therapien und Fördermaßnahmen haben sich im Schulalltag als notwendig erwiesen und sind integraler Bestandteil des pädagogischen Konzepts unserer Schule.
Die Wahrnehmung der Kinder, die zu einer therapeutischen / Fördermaßnahme führt, speist sich aus verschiedenen Quellen: Aufnahmegremium, Klassenlehrer und Fachlehrer (Klassenkonferenz), Kinderbesprechung, Schulärztin und Therapeuten (Hospitationen, Einzelbeobachtung, diagnostische Tests) und nicht zuletzt durch die Eltern.
Die Therapien / Fördermaßnahmen können grundsätzlich in der Unterrichtszeit, Hortzeit oder angegliedert an den Unterricht stattfinden. Die Absprache zwischen den Lehrern, Eltern und Therapeuten geschieht in Abwägung der therapeutischen / fördernden und pädagogischen Belange.
Kinder mit Lernschwierigkeiten erhalten eine gezielte und individuelle professionelle Förderung. Es werden Lese-, Rechtschreib- und Rechenförderung sowie Heileurythmie, Künstlerische Therapie und Bewegungsförderung in Kleingruppen und als Einzelförderung angeboten.


Rechenförderung

Manchen Kindern fällt es schwerer als anderen, das Stellenwertsystem zu durchschauen, sich Vorstellungen von Mengen zu machen und Rechenoperationen durchzuführen. Um diesen Kindern Raum und Zeit zu geben für eigene  Entdeckungen und einen freudvollen Umgang mit der Zahlenwelt, wird von der Schule Rechenförderung angeboten.

Hier wird einmal pro Woche an den Lernvoraussetzungen gearbeitet, d.h., durch vielfältige Aktivitäten werden die unteren Sinne (Tastsinn, Lebenssinn, Eigenbewegungssinn und Gleichgewichtssinn) angeregt und Körperbewegungen (Balancieren, Springen, Jonglieren, Ballprellen etc.) mit dem Zählen und Rechnen verbunden, so dass sich das Kind im Zahlenraum geschickt vorwärts und rückwärts bewegen lernt. Durch konkret handelndes Tun wie Verteilen von Nüssen o.ä., Ausmessen, Abwiegen, Bündeln von Stäbchen, Einkaufen etc. werden den Kindern Rechenoperationen oder das Stellenwertsystem be“greif“bar.  

Gespielte oder gemalte Rechengeschichten helfen dem Kind, sich seelisch mit einer Aufgabe zu verbinden. Verschiedene Materialien dienen der weiteren Veranschaulichung und ermöglichen das eigenständige Entdecken von Gesetzmäßigkeiten und Strategien zur Lösung von Aufgaben. Um das Erarbeitete gedächtnismäßig zu verinnerlichen und zu festigen, werden den Kindern verschiedene Übformen und Spiele als Repertoire zur häuslichen Weiterarbeit mit auf den Weg gegeben.

Auf Nachfrage von Klassenlehrern oder Eltern von Kindern aus den Klassen 2-4 wird die Förderung vor, während oder nach dem Unterricht gegeben.

Dieser Förderunterricht (1 Stunde pro Woche) wird vom Klassenlehrer oder Eltern hauptsächlich ab der 2. Klasse angeregt, eine finanzielle Eigenbeteiligung ist freiwillig.


Lese-Rechtschreibförderung

Die Einführung des Schreibens und des Lesens von großen und kleinen Druckbuchstaben und der Schreibschrift erstreckt sich in der Waldorfschule über die ersten drei Schuljahre, mit vielen vorbereitenden und begleitenden Übungen (große Raumformen, Formenzeichnen, Bilder, Kneten), ist also sehr langsam und gründlich.
Dennoch gibt es auch in der Waldorfschule Kinder, die mit dem Schreiben- und Lesenlernen Probleme haben.
Für diese Kinder gibt es an unserer Schule die Lese-Rechtschreibförderung. Die Kinder werden durch den Klassenlehrer/die Klassenlehrerin und den Förderlehrer in Absprache mit den Eltern ausgewählt. Ein Test mit der ganzen Klasse gibt ergänzend Hinweise auf einen Förderbedarf.
Die Lese-Rechtschreibförderung geschieht in einer kleinen Gruppe in der Regel ab der dritten Klasse in einer Unterrichtsstunde oder an den Unterricht angehängt.
Es  werden die Grundelemente von Sprache und Schrift geübt: Bewegung (Groß- und Feinmotorik), Rhythmus, Gliederung (Satz, Wort, Silbe), Klang (Laut, Reim), Gleichgewicht und Körper- und Raumorientierung. Bewegungs- und Sprechübungen gehen den schriftlichen oder Leseübungen voran. Auf das genaue Hören wird stets geachtet, denn viele Schwierigkeiten haben hier ihre Ursache. Neben Sprachspielen oder dem künstlerischen Umgang mit der Sprache werden auch Diktate geübt und die Gesetzmäßigkeiten der Rechtschreibung erarbeitet.
Die Dauer der Förderung wird in Absprache mit dem Klassenlehrer/der Klassenlehrerin festgelegt, eine finanzielle Eigenbeteiligung ist freiwillig.


Heileurythmie

Der Klassen- oder Fachlehrer, der Schularzt, der Pädagogisch-Therapeutische Arbeitskreis, aber auch die Eltern können die Teilnahme an der Therapie veranlassen. Den Schülern der Klassen 1 - 8 wird dieses Therapieangebot nahegelegt, in der Oberstufe ist die Teilnahme freiwillig.
In der Regel werden die Schüler 3x pro Woche für 15 Minuten aus den Unterrichten geholt. Die Fächer Sport, Eurythmie, Religion sind dabei ausgenommen.
An unserer Schule bekommen die Schüler Einzeltherapie in einem eigens dafür zur Verfügung stehenden Heileurythmie-Raum mit angegliedertem Ruheraum, der bei Bedarf genutzt wird.
Heileurythmisten sollen nach Möglichkeit mit einem (Schul)Arzt zusammenarbeiten.

Inhalte der Therapien
Arbeit an den Gebärden für Vokale und Konsonanten und Lautreihen, Geschicklichkeits- und Konzentrationsübungen, Arbeit mit Kupferkugeln und -stäben, Rhythmen laufen und taktieren, Laufen von geometrischen und freien Raumformen eventl. nach Verordnung durch den (Schul)arzt.
Die Wahl der begleitenden Texte orientiert sich am Erzählstoff der entsprechenden Klassen.
Die Dauer der Behandlung liegt bei 12-14 Schulwochen.
Zum Abschluss der Therapie werden die Eltern eingeladen. Sie schauen bei der heileurythmischen Arbeit von Kind und Therapeutin zu.
Eltern und Heileurythmistin besprechen anschließend das Wahrgenommene sowie den Verlauf der Therapie.
Weitere Aufgaben der Heileurythmistin an unserer Schule sind nach Möglichkeit die Teilnahme an allen Klassenkonferenzen der Unter- und Mittelstufe, der Austausch mit den anderen Therapeuten und Förderlehrern im Pädagogisch-Therapeutischen Arbeitskreis, die Teilnahme an Elterngesprächen und die Vorstellung der Heileurythmie an Elternabenden.
Heileurythmie ist an unserer Schule eine Präventivmaßnahme. Sie soll helfen, Einseitigkeiten und Krankheitstendenzen zu erkennen und auszugleichen oder dem Kind eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen.
Ausgebildete Krankheitsbilder z.B. Asthma können in diesem Rahmen nicht behandelt werden.
Im Laufe seiner Schulzeit sollte jedes Kind die Möglichkeit bekommen, an seinen Schwächen zu arbeiten, die Erreichung dieses Ziels kann durch die Heileurythmie unterstützt werden.


Finanzielle Eigenbeteiligung: 2,- € pro Termin.

Ansprechpartner: Frau Schrader


Bewegungsförderung

Ein gesunder Leibaufbau und eine rhythmische, differenzierte Grob- und Feinmotorik bilden die Grundlage für das Lernen. Allgemeiner Bewegungsmangel beeinträchtigt diese Grundlage z.T. erheblich. Die basalen Sinne (Motorik und Gleichgewichtssinn vor allem), das rhythmische Empfinden und die Orientierung im Körper (Körperschema) und im Raum brauchen zu ihrer Nachreifung deshalb oft zusätzliche Förderung.
Dafür wurde an unserer Schule die Bewegungsförderung in den Unterstufenklassen eingerichtet.


Gefördert wird:

  • der Bewegungsbereich selbst: Geschicklichkeit (Seilhüpfen und Ballwerfen z.B.) in Grob-und Feinmotorik, Koordination, rhythmische Bewegungsabläufe, Körper- und Raumorientierung und Gleichgewicht,
  • die allgemeine Lerngrundlage: „Spannkraft“, Konzentration, Aufmerksamkeit, Wachheit und das „Begreifen“.

Es können aber auch die besonderen Lernbereiche Rechnen, Schreiben und Lesen durch Bewegungsförderung gestützt werden.
Angeregt wird diese individuelle Maßnahme durch die Eltern, den Klassenlehrer, die Klassenkonferenz oder durch den Pädagogisch-therapeutischen Arbeitskreis, bestehend aus den Therapeuten, dem Förderlehrer und dem Schularzt. Die Förderung erfolgt in der Regel über ein Quartal 2 mal/Woche à 20 Minuten in der Unterrichtszeit.
Finanzielle Eigenbeteiligung Mindestsatz 6,- Euro pro Einheit (3x20 Minuten)


Künstlerische Therapie (Malen und Zeichnen)

Die anthroposophisch orientierte künstlerische Therapie (Malen und Zeichnen) existiert an der Würzburger Waldorfschule seit 1982; sie ist langjähriger Bestandteil des Förderangebots unserer Schule.

Sie setzt da an, wo sich der «obere» Bereich des Menschen mit dem «unteren» verbindet, im Bereich des rhythmischen Systems, des Herzens, der Atmung. In der Mal- und Zeichen-Therapie wird mit dem gezielten Einsatz von künstlerischen Techniken, damit verbundenen Materialien und auch Themen zunächst über das sinnliche, dann besonders auch das seelische Erleben der Farben und Formen wieder zurückgewirkt auf den zu kräftigenden Lebensorganismus, ja bis in das Gefüge des Körpers. Dabei sind nicht möglichst ansprechende Gestaltungsergebnisse das Ziel, sondern die Tätigkeit des Malens und Zeichnens selber. Eine ruhige, rhythmische Pinselführung, verbunden mit einem Motiv und einer Farbigkeit, die «atmen» lässt, vermag zum Beispiel einem asthmatisch veranlagten Kind langfristig zu helfen.

Es gibt innerhalb der kunsttherapeutischen Verfahren nun verschiedene Möglichkeiten, Krankheitstendenzen zu begegnen, ihnen vorzubeugen oder auch allgemein die Harmonisierung der Lebensprozesse anzuregen. 

  • Das Aquarellmalen (alle Klassenstufen)
    vermag besonders durch den Umgang mit der in Wasser vermalten Farbe zu lösen und zu vertieftem seelischen Erleben zu führen. 
  • Das Pastellmalen (Mittelstufe, Oberstufe)
    wirkt durch seine feinen Differenzierungsmöglichkeiten beruhigend, wärmend und belebend. 
  • Im Formenzeichnen
    wird durch die bewusst gestaltete Linie, auch durch einen rhythmischen Bewegungsablauf beim Zeichnen ordnend und haltgebend auf die Koordinationsfähigkeit und die Konzentration gewirkt. 
  • Das Dynamische Zeichnen
    fördert die äußere und innere Beweglichkeit. 
  • Das Sachzeichnen (Mittel- und Oberstufe) schult die genaue, liebevolle Beobachtung. 
  • Beim Fußmalen schließlich lernt der Mensch, ein «Bewusstsein bis in die Füße» zu entwickeln, seinen Körper ganz zu ergreifen.

All die genannten (und auch noch weitere, hier nicht beschriebene Möglichkeiten) werden nun individuell zur Unterstützung des Kindes bzw. des Jugendlichen angewandt, wozu neben der Beobachtung des Maltherapeuten besonders die Eltern, der Schularzt, der Klassenlehrer und die Kollegen des Therapeutenkreises entscheidende Hinweise geben.
Die künstlerische Therapie wird in Kleingruppen, in speziellen Fällen in Einzeltherapiestunden durchgeführt. Über die Vergabe von Maltherapie-Plätzen entscheiden in erster Linie die Eltern oder der Klassenlehrer, denen durch den täglichen Kontakt mit den Kindern/Jugendlichen besondere Einseitigkeiten am deutlichsten auffallen.
Die Genannten wenden sich dann an den Schularzt oder die Therapeuten. Wenn Therapieplätze frei sind, wird in der Regel nach einer Vorstellung des Schülers beim Schularzt im gemeinsamen Gespräch der Beteiligten über die Teilnahme an der Maltherapie entschieden und vom Kunsttherapeuten ein individuelles Konzept entwickelt.
Ein «Malzyklus» geht über ein halbes Jahr (ca. 12-15 Termine), wobei einmal in der Woche an einem Schulvormittag für die Dauer einer Fachstunde gearbeitet wird. Es wird versucht, das Malen in eine Frei- oder Hortstunde zu legen, was jedoch nicht immer möglich ist. Die Schüler werden in diesem Fall  in Absprache mit Klassen- und Fachlehrer von dem anderen Unterricht befreit. Sofern, bei medizinisch begründeten Fällen, die jeweilige Krankenkasse nicht die Behandlungskosten übernimmt, werden die Eltern gebeten, einen Eigenanteil von zur Zeit 10,- Euro (inklusive Material) pro Termin zu zahlen. Der genaue Betrag wird ihnen nach Abschluss des Malzyklus per Rechnung von der Schule mitgeteilt.

Ansprechpartner: Frau Meinrenken-Rohrbach, Kunsttherapeutin