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Malen in der 1. Klasse

Der Malunterricht an der Waldorfschule unterscheidet sich in vieler Hinsicht von dem Malunterricht an anderen Schulen. So geht es in der Unterstufe nicht um die Darstellung des Gegenständlichen und der Farbe als äußere Eigenschaft von Dingen, sondern vielmehr um das seelische Erleben mit den unterschiedlichen Qualitäten und Wirkungen der Farbe. Denn wenn „das wesenhafte Erleben der Farben in unserer Zeit nicht gepflegt wird und die mechanischen Theorien über die Natur der Farbe weiter in der Menschheit leben, werden Kinder zur Welt kommen, die kein Organ mehr für die Wahrnehmung der Farbe besitzen.“ (Rudolf Steiner 1914)

Erwartungsvoll stand die erste Gruppe der Erstklässler vor der Tür und wartete auf ihre erste Malstunde. Die Tür öffnete sich und die Kinder traten ein und staunten, denn der Klassenraum hatte sich verwandelt: Die Teppiche waren aufgerollt, die Bänkchen in Reihen geordnet und auf den Bänkchen standen blaue Farbe und ein Wasserglas und auch die Pinsel und das Papier lagen bereit. Doch zuerst wurde auf der Haut geübt. Die Kinder strichen mit den trockenen Pinseln über die Hand, beim Banknachbar über die Wangen und übten den Pinselstrich. Während das eingeweichte Papier leicht antrocknete, hörten die Kinder gespannt die erste Farbgeschichte.