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Erlernen von Gehen, Sprechen und Denken

Das Kind erwirbt sich in den ersten drei Jahren diejenigen Fähigkeiten, die es zum Menschsein befähigen. Gehen, Sprechen, Denken, dies ist der Grundboden für die weitere Persönlichkeits-Entwicklung. Sind diese drei Grundpfeiler angelegt, ist ein erster Meilenstein in der Entwicklung des Kleinkindes erreicht.

In unserem täglichen Umgang mit Kindern respektieren und unterstützen wir ihre individuellen Entwicklungsschritte und geben ihnen Raum und Zeit, sich entsprechend ihrer Interessen zu entwickeln. Liebevolle, respektvolle und geschützte Begleitung dieser Schritte unter Berücksichtigung von Besonderheiten sind uns hierbei wichtig.

Um das erste Lebensjahr herum hat sich das Kind der Schwerkraft entgegengesetzt, sich aufgerichtet und hiermit ist das Fundament vieler Bewegungsformen gelegt. Es ist von Wichtigkeit, die Kinder aus eigener Kraft und ihrem eigenen Tempo gemäß in die Aufrichte kommen zu lassen, um dann der Welt entgegen zu laufen.

In unserer Kinderkrippe schaffen wir den Kindern größtmögliche Freiräume, in denen sie sich bewegen können. Es darf erfasst, erblickt, ergriffen, ertastet werden. Dies fördern wir durch verschiedenste naturbelassene Materialien, welche die Sinne ansprechen und anregen. Wir geben die Möglichkeit, die Räumlichkeit zu erobern und somit Lage, Entfernung, Form und Größe zu entdecken. Dieser Prozess wird von uns begleitet, unterstützt und angeregt, auch durch unser Vorbild als sich bewegender Mensch.

Mit dem Gehen hat sich das Kind eine neue Bewusstseinsebene erworben, es kann nun eigenständig auf die Welt zugehen. Im Alltag geben wir Anregungen zu verschiedensten Bewegungsmöglichkeiten, z.B. Treppen krabbeln oder steigen, Erhöhungen erklimmen, Fingerspiele in unserem Morgenkreis, rhythmische Bewegungen oder kleine Spielchen und in unserer Draußenzeit durch schaukeln, klettern, balancieren und graben.

Hierbei ist es uns wichtig, einerseits den Kindern ausreichend Schutz zu geben, andererseits ihnen genügend Bewegungsfreiraum zu lassen. Auch auf feine Bewegungsformen wie Empfindungen achten wir besonders. Dies geschieht durch eine bewusste Haltung der Erzieherinnen, so spiegeln sich doch Sympathie, Hingabe oder Achtsamkeit in unserem ganzen Bewegungsablauf wieder.

Geschick und Koordination regen wir im alltäglichen Miteinander an, z.B. beim gemeinsamen Essen und dem Erlernen, das Besteck selbständig zu benutzen, oder beim Wickeln, in dem wir das Kind helfen lassen (z.B. beim Eincremen, Socken anziehen). Nachdem das Kind sich in die Aufrichte erhoben hat, erwacht im zweiten Jahr die Sprache, die es befähigt, intensive soziale Kontakte zu knüpfen.

Der Mensch ist auf drei Ebenen physisch, seelisch und geistig an der Sprache beteiligt. Dies wollen wir im Kind anregen. Auch dies tun wir in erster Linie durch unser Vorbild und durch deutliche, klare Sprache. Dabei steht erst einmal nicht unser gesprochenes Wort im Vordergrund, sondern die sich dabei vollziehenden Gesten, Handlungen und die innere Hinwendung zum Kind. Anregungen geben wir im täglichen, respektvollen und herzlichen Miteinander, in der Pflege, durch Lieder, Fingerspiele, Liebköschenund Sprüche. Vom Sagen, Nennen bis zum Reden und Spielen mit der Sprache fördern wir hierdurch den Sprachgeist und die Sprachfreude. Rhythmisch gegliederte Sprachverse regen an. Babysprache oder intellektuelle Erklärungen unter- bzw. überfordern Kinder dieses Alters.

Im dritten Jahr entwickelt sich das Denken. Eng mit dieser Entwicklung verbunden sind die Ausgestaltung der Sprache, das Spiel und die Belebung der Phantasie. Vom Wiedererkennen bis zur völlig freien Erinnerung liegt ein langer Prozess. Im ersten Lebensjahr erwirbt sich der Säugling die Grundlagen des Merkens, z.B. durch das immer wiederkehrende Gesicht der Mutter. Im zweiten Lebensjahr beginnt das rhythmische Gedächtnis. So werden Worte immer wieder erfragt oder wiederholt und Dinge müssen endlose Male benannt werden. Parallel dazu bildet sich das lokalisierende Gedächtnis, was bedeutet, dass die freie Erinnerung immer länger wird, auch an gestern und weiter zurückliegende Ereignisse wird sich erinnert. Auch lernt das Kind nun das zu behalten, was ihm über die Sprache mitgeteilt wird, kommt Aufforderungen nach und wird offen für Ermahnungen.

Dies ist auch die Zeit, in der die kindliche Phantasie erwacht, eines der stärksten Charakteristik des Kleinkindalters. In seinem Phantasiespiel kann es sich mit der Welt verbinden und vielfältigste Denkstrukturen schulen. Durch freilassendes, vielfältiges Spielmaterial, ruhige und schöne Form- und Farbgestaltung der Räume, in einer nicht überladenen Umgebung, hat das Kind Raum für Phantasie.

Um es den Kindern zu erleichtern, sich denkend in der Welt zurecht zu finden, geben wir ihnen klare Strukturen durch einen sich täglich wiederholenden Tagesablauf und einen gegliederten Wochen- und Jahresrhythmus. Durch unsere Verrichtungen als Vorbild kann das Kind Sinnhaftigkeit des menschlichen Tuns erleben und Ursache und Wirkung erfahren.

Gegen Ende des dritten Lebensjahres sind Gehen, Sprechen und Denken in seinen grundlegendsten Strukturen vom Kind ergriffen. Nun beginnt eine neue Phase, in der das Ich-Erleben im Inneren des Kindes immer stärker wird und eine Ich-Du-Beziehung entstehen kann.